Warum ein Stadtteilpolitiker die Essener Pegida-Demo plant

Im Dezember gab es vor dem Hauptbahnhof Duisburg eine Pegida-Demo. Ähnliche Szenen könnten sich jetzt in Essen abspielen.
Im Dezember gab es vor dem Hauptbahnhof Duisburg eine Pegida-Demo. Ähnliche Szenen könnten sich jetzt in Essen abspielen.
Foto: imago/Reichwein
  • Gegenwind für Kundgebung der selbst ernannten Initiative „Essen gegen Politikwahnsinn“ am 13. April auf Willy-Brandt-Platz
  • Stadtteilpolitiker bestreitet Nähe zu Pegida, trat aber als Redner bei Duisburger Pegida-Demo auf
  • „Ja, die Schnittmengen mit Pegida sind da“, räumte Teichert in einem Gespräch mit dieser Zeitung ein

Essen.. Der Gegenwind für die geplante Kundgebung der selbst ernannten Initiative „Essen gegen Politikwahnsinn“ am 13. April auf dem Willy-Brandt-Platz ließ nicht lange auf sich warten: Die Jungsozialisten haben bei der Polizei eine Protestaktion am selben Ort angemeldet. Zwischen 18.30 Uhr und 22 Uhr wollen die Jusos bis zu 150 Gleichgesinnte mobilisieren, die „gegen die rassistische Hetze von Pegida“ auf die Straße gehen.

Angesichts des sich aufbauenden Widerstands bekommt Holm Teichert etwas kalte Füße. Das Ex-Mitglied von Pro NRW, das auf dem Ticket der „Bürgerbewegung“ nach wie vor in der Essener Bezirksvertretung für die Innenstadt sitzt, ist einer der fünf Initiatoren der neuen Essener Organisation.

Die habe nichts mit Pegida zu tun, sagt er. Was kaum nachzuvollziehen ist: Denn Teichert sucht bewusst die Nähe der „Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“. Auf der letzten Kundgebung in Duisburg trat er unter den Augen des Staatsschutzes und vor Neonazis, „die die Polizei nicht entfernt hat“, wiederholt als Redner der Rechtspopulisten auf. Weil er „da Gehör findet“, sagt er. Und Alexander Hoven, Moderator der Pegida-NRW-Aufläufe, warb bei der Veranstaltung „Mönchengladbach steht auf“ ausdrücklich für die Essener Kundgebung.

Vorwurf des Rassismus' zurückgewiesen

„Ja, die Schnittmengen mit Pegida sind da“, räumte Teichert in einem Gespräch mit dieser Zeitung ein. Eine Einsicht, die ihn nicht daran hinderte, den Bericht vom Freitag „Pegida-Kundgebung in der City“ in den sozialen Netzwerken als „wissentlich falsche Darstellung“ zu brandmarken. Mit seiner Medienschelte habe er in diesem Fall wohl überreagiert, meinte Teichert im Nachhinein. Dennoch: Er und seine Mitstreiter seien weder rassistisch, noch fremdenfeindlich und auch nicht rechtsextrem, sondern „Bürger aus unterschiedlichsten Schichten dieser Stadt“.

„Von uns wird keiner am Mittwoch ,Ausländer raus’ brüllen“, beteuert der Ex-Pro-NRW-Mann. Derart plumpe Sprüche seien seine Sache nicht, weil sie nichts brächten. Teichert & Co. möchten sich nachdenklicher geben. Schließlich sei man in „großer Sorge um unsere Heimatstadt.“ Es habe sich „eine Kultur der Verurteilung, Intoleranz und Verächtlichmachung der Opposition etabliert“, heißt es in einer Erklärung, so dass man nicht in der Lage sei, „gemeinsam an der Lösung aller Probleme zu arbeiten.“ Die Initiative beklage die Waldzerstörung genau so wie die „Beschlagnahmung von Turnhallen für die Unterbringung von Asylbewerbern“ oder die „Zerstörung“ eines Hundevereins in Frohnhausen. Bei der Kundgebung werde man, so Teichert, sehen, „dass wir weder rechts noch links sind. Sondern einfach nur Essener.“

 
 

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