Warum ein Essener seit zehn Jahren wilde Katzen fängt

Roland Harder fängt seit zehn Jahren Katzen und ist Mitglied im Katzenschutzbund.
Roland Harder fängt seit zehn Jahren Katzen und ist Mitglied im Katzenschutzbund.
Foto: Knut Vahlensieck / WAZ Fotopool
Roland Harder war Starkstromelektriker unter Tage, ehrenamtlich fängt der 57-Jährige seit mittlerweile zehn Jahren Katzen. Er ärgert sich über Mortadella-Werfer, die wilde Katzen füttern und sich vor den Tierarztkosten drücken, und über Internet-Geschäfte mit Katzenbabys.

Essen.. In seinem Beruf war Roland Harder Starkstromelektriker unter Tage, ehrenamtlich fängt er nun seit zehn Jahren Katzen und ist Mitglied im Katzenschutzbund: „Meine Frau und ich konnten noch nie weggucken, wenn ein Tier Hilfe brauchte“, sagt der 57-Jährige, der selbst in Essen-Kray mit Hund, Katzen und Laufenten lebt.

Seine Frau muss inzwischen viel Geduld beweisen, denn ihr Mann rückt zu den tierischen Einsätzen beinahe täglich aus – rund um die Uhr. Sobald sein Telefon klingelt und Anwohner, Wohnungsgesellschaften oder Firmeninhaber ihm kranke, trächtige oder streunende Katzen melden, fährt er mit seinem Wagen los, den er eigens dafür umgebaut hat.

Ärger über Mortadella-Werfer und Internet-Geschäfte mit Katzenbabys

Regale sind darin, Fanggeräte und Fallen, die er aufstellt, um dann mit der Leine oder Fernbedienung in der Hand nur eins zu tun: warten. Wie kürzlich nachts bei einem Autohändler. Manchmal fängt er 14 Katzen in zwei Stunden oder stundenlang keine. Dann sind die Nächte lang und langweilig. Der Kontakt zu den Menschen wird das nie. Viele seien hilfsbereit, andere pöbeln, drohen oder rufen die Polizei. Der Katzenfänger aber sucht den Kontakt, um über Haltung zu informieren und an ihre Verantwortung zu appellieren.

Unmöglich wird ihm das Fangen aber, wenn die Menschen die Tiere zuvor vollgestopft haben und diese satt und zufrieden sind. Denn seine einzige Chance, ist das Futter in der Falle und der Hunger des Tieres. „Viele schmeißen aber regelmäßig Wurst aus dem Fenster“, sagt Harder, der kein Verständnis dafür hat, wenn Leute draußen lebende Katzen jahrelang füttern, sich aber vor Tierarztkosten drücken. Mortadella-Werfer, nennt er sie und ärgert sich gleichermaßen über Internet-Geschäfte, die mit Katzenbabys derzeit betrieben werden.

Weil die Tierschützer sich verantwortlich fühlen, stehen dieses Jahr wieder Einnahmen von 35 000 Ausgaben von 40 000 Euro gegenüber. Dazu gehören vor allem Tierarztkosten wie die für die Kastration wilder Katzen. Bis zu 20 000 leben in der Stadt, schätzten sie.

Katzen-Schwemme mit Kastrationen in den Griff bekommen

Das Ziel: Diese Katzen zu fangen, tierärztlich zu versorgen und kastrieren zu lassen, um die gewaltige Schwemme irgendwie in den Griff zu bekommen. „Kastrationspflicht wäre schön“, sagt Harder, der das Elend vieler Katzen kennt, die in Parkhäusern oder Industriegebieten leben. Besonders viele tummeln sich in den Nebenstraßen des Limbecker Platzes, wo sie dann die Mülltonnen plündern.

Katzen, die zu lange auf der Straße gelebt haben, sind unvermittelbar: „Wir bringen sie nach der Kastration dorthin zurück, wo wir sie gefangen haben.“ Für diese Tiere haben sie Futterstellen, die Helfer täglich befüllen. Entlaufene Tiere bringen sie ins Tierheim, mit dem sie zusammenarbeiten. Die Welpen aber vermitteln sie.

Gepflegt werden Katzenbabys bis dahin auf den Pflegestellen. Christa Pinetzki hat eine in Rüttenscheid, ein Zimmer als Kinderstube und einen Platz in ihrer Wohnung für ein krankes Tier. Sie übernimmt seit 20 Jahren diesen Innendienst beim Katzenschutzbund – mit allen Pflichten: Füttern, Decken waschen, Katzenklo putzen und spielen: „Die Kätzchen sollen ja zahm werden“, sagt Christa Pinetzki und erzählt auch wie sie geweint hat, als sie ihren ersten Schützling vermittelt hat. Dann klingelt das Telefon, und Roland Harder muss weg: „In Kettwig sitzen zwei Katzen in der Falle.“

 
 

EURE FAVORITEN