Warum die Aufräumarbeiten nach Ela in Essen so lange dauern

Frank Stenglein
Viele Bürger wollen den Wald trotz des Betretungsverbots wieder nutzen, gewisse Risiken nehmen sie dafür in Kauf.Die Stadt warnt vor Leichtsinn. Im Bild: Spaziergänger im gesperrten Schellenberger Wald .
Viele Bürger wollen den Wald trotz des Betretungsverbots wieder nutzen, gewisse Risiken nehmen sie dafür in Kauf.Die Stadt warnt vor Leichtsinn. Im Bild: Spaziergänger im gesperrten Schellenberger Wald .
Foto: WAZ FotoPool
Ordnungsdezernent Christian Kromberg spricht über den Stand der Aufräumarbeiten nach dem Pfingstunwetter und über das illegale Betreten des Waldes. Warum die Stadt das Verbot nicht kontrolliert und warum schon 20 Bürger sie verklagt haben.

Essen. Herr Kromberg, viele Bürger fragen sich, wann sie endlich wieder offiziell in die Wälder dürfen. Inoffiziell tun sie’s ja eh schon.

Christian Kromberg: Ich verstehe das. Aber wir haben nun einmal die Prioritätenliste, die wir abarbeiten. Zuerst muss in den Stadträumen, die von den Menschen zwangsläufig genutzt werden müssen, die Verkehrssicherheit wieder hergestellt werden. Die Straßenbäume haben also Vorrang, die Überprüfung der Baumkronen ist jetzt zu knapp 60 Prozent abgearbeitet. Das bindet natürlich einen Großteil unserer Kräfte.

Und in den Wäldern haben Sie nichts gemacht?

Kromberg: Doch. Wir haben mit den großen Fahrzeugen auch begonnen die Wälder freizuräumen, etwa an der Margarethenhöhe, am Wildgehege Heissiwald, in Teilen des Schellenberger Waldes und auch die Joggingstrecke im Stadtwald. Wir müssen uns aber in den Wäldern auch die Baumkronen betrachten. Das kann ich aber erst machen, wenn ich mit den Straßenbäumen fertig bin.

Viele fragen dennoch: Warum dauert das ausgerechnet in Essen so lange? Liegt es am fehlenden Geld?

Kromberg: Eine Stadt wie Düsseldorf kann sicherlich kurzfristig mehr Geld mobilisieren, aber es scheitert bei uns weniger am Geld. Essen hat wohl mehr und andere Wälder als zum Beispiel Düsseldorf, und wir bewegen uns einfach an der Grenze dessen, was uns organisatorisch möglich ist. Es bleibt leider dabei: Wir werden erst im Lauf des Jahres 2015 fertig sein mit dem Aufräumen.

In den Wäldern ist viel Betrieb. Die Leute verlieren die Geduld und kümmern sich oft nicht mehr um Ihre Verbote. Erbost Sie das?

Kromberg: Wenn es nach meinem Freiheitsverständnis ginge, dann liefe es so: Ich sage den Bürgern, welche Gefahren bestehen. Und die Bürger müssen dann entscheiden, welche Risiken sie eingehen wollen. Das hilft mir aber leider bei der Haftungsfrage nicht, die im Klagefall auch von Gerichten an mich herangetragen wird. Deshalb gibt es die Verbote. Sie stellen die Stadt juristisch von Haftung frei und bewahren städtische Mitarbeiter vor strafrechtlicher Verfolgung. Durchsetzbar sind diese Verbote aber letztlich nicht.

Warum nicht?

Kromberg: Ich könnte natürlich symbolhaft Bürger rausgreifen und ihnen ein Bußgeldverfahren an den Hals hängen. Aber ich muss auf Gleichbehandlung achten. Es ist nicht möglich, das Betreten der Wälder flächendeckend zu kontrollieren.

Das heißt, tatsächlich hat kein Bürger etwas zu befürchten?

Kromberg: Ich werde jetzt nicht ein falsches Signal senden und sagen, dass ich niemals etwas gegen das verbotenen Betreten unternehmen werde. Das wäre ja eine Kapitulation. Aber richtig ist, wir haben bisher gegen niemanden ein Ordnungswidrigkeitsverfahren eröffnet.