Wagenbauhalle meint es nicht gut mit Karnevalisten in Essen

Der Bauherr Hoch auf dem gelben Wagen: Ullrich Hofmann trotzt seit Oktober den nass-kalten Bedingungen der Wellblech-Halle.
Der Bauherr Hoch auf dem gelben Wagen: Ullrich Hofmann trotzt seit Oktober den nass-kalten Bedingungen der Wellblech-Halle.
Foto: WAZ FotoPool
Sägen, bohren, schrauben – ohne eigenen Stromanschluss und bei Eiseskälte: Die Wagenbauhalle meint es nicht gut mit Essens Karnevalisten. Der Neubau des Prinzenwagens ist für sie Schwerstarbeit.

Essen.. Durch den Torbogen, vorbei an zahlreichen Autowracks und rustikalen Industriehallen führt der Weg ans hinterste Ende des Gewerberparks Spitzer am Brehloher Steig in Horst. Die Wellblechhütte mit dem geschwungenen Dach und der kleinen Eingangstür sieht schon von außen wenig einladend aus. Das Verlängerungskabel, das aus der Tür, durch den Schnee in die benachbarte Halle führt, lässt ebenfalls keinen großen Komfort erahnen. Doch genau hier werkeln Essens Karnevalisten seit letztem Herbst am neuen Aushängeschild des Rosenmontagszuges.

13,5 Meter lang, 5000 Euro teuer

Jahrelang bekamen die Karnevalisten entlang der Strecke denselben Prinzenwagen zu Gesicht: die Häuser der Stadt Essen und den Doppelbock von Zollverein zu Füßen des Prinzenturms. Wie viele Jahre seit dem letzten Neubau genau vergangen sind, daran mag sich auf der Baustelle weder die Geschäftsführerin des Festkomitees Essener Karneval (Fek), Patricia Adamski, noch Bauherr Ullrich Hofmann erinnern. Mindestens zehn sollen es gewesen sein. Für 2013 hat der Fek-Vorstand endlich ein neues Motiv und damit den kompletten Neu- und Umbaus des 13,5 Meter langen Anhängers abgesegnet – und rund 140 Quadratmeter in der alten Gewerbehalle im Essener Süd-Osten gemietet.

Hier schreinern, schrauben und malen Hofmann und seine Mitstreiter nun schon seit Oktober am 5000 Euro-Projekt, auf dem Prinz Marc und Prinzessin Assindia Katja den Höhepunkt der „tollen Tage“ verbringen sollen. Doch je kälter die Jahreszeit, desto widriger die Umstände in der Wellblechhalle. Das Dach ist an zahlreichen Stellen durchgerostet und seit Dezember ist der Strom abgestellt. Energie für die Werkzeuge und den kleinen Stromofen, der die kalten Hände immerhin kurzfristig auftaut, kommt daher „von den netten Nachbarn“, freut sich Hofmann über die Hilfsbereitschaft der Autowerkstatt von gegenüber. Ob der Bedingungen lobt der Burgaltendorfer Bauherr seine wetterfesten Mitstreiter: „Wir arbeiten dort, wo andere niemals Werkzeuge in die Hand nehmen würden“, sagt Hofmann, der beruflich als Programmierer eher Tastaturen statt Sägen bedient.

Einiges zu tun

Doch viele helfende Hände sind es nicht, die sich an den Wochenenden zum närrischen Werkeln unter dem löchrigen Hallendach treffen. „Gerade den Älteren macht die nass-kalte Luft in der Halle zu schaffen. Die bleiben dann verständlicherweise zu Hause“, erklärt Hofmann. Meist arbeiten deshalb nur drei, maximal fünf Karnevalisten an der Pferdekutsche, die am 11. Februar durch Rüttenscheid rollen soll. Noch ist einiges zu tun, besonders die Malerarbeiten wurden durch das Wetter der letzten Wochen behindert. Nach den Schneefällen konnten die Narren den Gewerbepark wegen ungeräumter Straßen ein ganzes Wochenende nicht anfahren.

Für den Schlussspurt hat Hofmann deshalb einen Umzug in angenehmere Gefilde anberaumt. Die meisten der 33 Motivwagen werden bis Ende der Woche die Haupthalle der Essener Karnevalisten an der Schürrmannstraße in Bergerhausen verlassen haben und zur Tüv-Abnahme in einer Messehalle gesammelt. Nach über 200 Arbeitsstunden in der zugigen Horster Wellblechhalle, werden die letzten Details an Ross und Kutsche unter einem dichten Dach und bei gesicherter Stromversorgung in Bergerhausen fertiggestellt, ehe es auch für die Kutsche zur Tüv-Prüfung geht.

Abnahme durch die Dekra

Denn neben der Motiv-Umsetzung mussten die Wagenbauer vor allem auf die Einhaltung der Sicherheitsstandards achten. Damit Essens Karnevalsmonarchen am Rosenmontag ihre Kutsche mit dem rund drei Meter hohen und fünf Quadratmeter großen Wurfturm betreten dürfen, müssen zum Beispiel die Turm-Brüstung mindestens 1,20 Meter hoch oder die Wagenräder vollständig verkleidet sein. „In all den Jahren gab es keinen Unfall, das soll natürlich auch mit dem neuen Wagen so bleiben“, hofft Fek-Geschäftsführerin Patricia Adamski auf eine gelungene Premiere des neuen Motivwagen.

Und wenn der in einigen Jahren dann wieder ersetzt wird, dürften der Bauherr und seine Helfer vor allem auf eine angenehmere Arbeitsumgebung hoffen.

 
 

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