Vorreiter der Barock-Passionen

Der musikalische Wegbereiter von Johann Sebastian Bach ist am Karfreitag um 17 Uhr in Steele zu hören. Kreiskantor Thomas Rudolph und der Madrigalchor Königssteele stellen die Matthäus-Passion von Johann Theile in den Mittepunkt ihres Konzertes in der Friedenskirche (Kaiser-Wilhelm-Straße 37).

Der heute weniger bekannte und selten aufgeführte Komponist lebte von 1646 bis 1724. Um 1668 nahm er in Weißenfels als einer der letzten Schüler Kompositionsunterricht bei Heinrich Schütz und soll 1673 in Lübeck auch Lehrer von Dietrich Buxtehude gewesen sein. In diesem Jahr entstand seine Matthäuspassion, die heute zu Unrecht im Schatten des gleichnamigen Oratoriums von Johann Sebastian Bach steht.

Theile schlägt einen stilistisch besonders reizvollen Bogen zwischen Früh- und Hochbarock, indem er die bei Schütz noch im Wortsinn ein-tönigen Rezitative durch Bassbegleitung aufbricht und vor allem mit vier Arien kommentiert. Damit ist Theile mindestens Miterfinder der barocken Form der vertonten Passionsgeschichte. Seine Arien schlagen den musikalischen Bogen zu den späteren Bach-Chorälen. Theile komponierte seine „Passio Domini Nostri Jesu Christi secundum Evangelium Matthaeum“ für einen fünfstimmigen Chor mit doppelt besetztem Sopran als Kapellmeister am Hof Herzog Christian Albrechts von Holstein. 1678 komponierte Theile das Singspiel „Adam und Eva“ zur Eröffnung der Hamburger Oper am Gänsemarkt. Als Komponist und Musiklehrer erwirbt sich Theile den Ehrentitel „Vater der Kontrapunktik“ bei seinen Zeitgenossen, unter anderem wegen seines „musikalischen Kunstbuches“ zu den „doppelten Contrapuncten“.

Mit dem Madrigalchor musizieren ein Instrumental-Ensemble sowie ein hochkarätiges Solisten-Quartett, das schon oft in der Friedenskirche zu Gast war: Annette Söllinger (Sopran), die Tenöre Raimund Fürst und Martin Krumbiegel sowie Martin Wistinghausen (Bass). Abgerundet wird das Programm durch zwei Passionsmotetten aus dem 16. Jahrhundert von Cristóbal de Morales (1500-1553) und Thomás Luis de Victoria (um 1548-1611). Der Eintritt kostet 15, ermäßigt 10 Euro; im Vorverkauf sind Karten in der Steeler Buchhandlung Platzer, Paßstraße 32, erhältlich.