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Vor dem Spiel 'ne Bockwurst: Dieser Kiosk war einst der Lieblingstreff der RWE-Stars. Und sein Besitzer hat einen ganz besonderen Patenonkel

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Foto: derwesten.de
  • Der Kiosk „Zum Sporttreff“ in Vogelheim war bei den RWE-Spielern ein beliebter Treffpunkt
  • Noch heute erzählt das Büdchen viele Rot-Weiss-Anekdoten
  • Der Besitzer ist der Patensohn von RWE-Spieler und Trainer Horst Hrubesch
  • Wie das kam, erfährst du im Video unten im Text

Essen. 

Büdchen gehören zum Ruhrgebiet wie Zechen und die Currywurst. Zu diesem Kiosk aber gehört neben dem Pilsken und der gemischten Tüte auch der Fußballverein Rot-Weiss Essen einfach dazu.

An der Vogelheimer Straße, in Sichtweite von der Hafenstraße – der Wiege von RWE, hat die Familie Habraschke seit nunmehr 63 Jahren ihren kleinen Laden.

Jörg-Peter Habraschke führt den nun in mittlerweile dritter Generation. Seitdem hat der Kiosk im Essener Norden eine Menge erlebt: Zechensterben, Arbeitslosigkeit und den sozialen Abstieg eines Viertels.

Hrubesch und die Mickey-Maus

Aber auch: Weltmeisterspieler, die sich hier bei einer Bockwurst im Brötchen auf die nächste Partie vorbereiten. Kult-Kicker, die nach dem Match Karten kloppten.

Und ein Olympiatrainer mit dem neusten Comic-Heftchen in den Händen – und der irgendwann Patenonkel von Jörg-Peter Habraschke wurde.

Ende der 70er Jahre stand Helga Habraschke in ihrem Büdchen, als ein Herr nach etwas suchte: der neusten Mickey-Maus-Ausgabe. Beim Bezahlen fragte die Kioskbesitzerin: „Sie kenne ich doch?“ Vor ihr stand Horst Hrubesch. Sie packte den RWE-Spieler, gab ihm einen Kaffee aus und hielt ein Schwätzchen. Aus dem eine Freundschaft wurde.

Jedem Spieler seine Tasse

Nach und nach kamen immer mehr RWE-Spieler in die Vogelheimer Straße. Ein Regal voller Tassen mit Namen. Willy „Ente“ Lippens, Dieter Bast oder Günther Fürhoff oder eben Horst Hrubesch standen drauf.

„So mussten sich die Spieler nicht um ihre Becher streiten“, erinnert sich Jörg-Peter Habraschke an eine der zahlreichen Anekdoten rund um das Büdchen „Zum Sporttreff“, wie es seit dieser Zeit heißt.

Sein Vater Peter wurde zu einem engen Vertrauten der Spieler. Er fuhr sie von seinem Kiosk zum Georg-Melches-Stadion. „Bis Ende der Achtziger kamen die Spieler regelmäßig in den Kiosk“, erinnert sich Jörg-Peter Habraschke.

Ein ganz besonderer Patenonkel

Und nach Siegen oder Niederlagen wieder zurück zum Büdchen. Einmal fand er sich nach einem Sieg in der RWE-Umkleide wieder. Bekam dort eine Kamera in die Hand gedrückt. Und hielt den berauschenden Moment als Schnappschuss fest.

Irgendwann kam dann Söhn Jörg-Peter auf die Welt. Und Vater Peter fragte Horst Hrubesch, den Europameister von 1980, ob er nicht Patenonkel werden wolle. Und der willigte ein.

Wie es genau dazu kam, erklärt Jörg-Peter Habraschke im Video.

RWE-Spieler verirrten sich schon länger nicht mehr zum Kiosk. Habraschke: „Nachdem mein Vater 1989 starb, ging der Kontakt zum Verein so langsam verloren.“ Auch ein Viertligist wie RWE hat mittlerweile Profi-Strukturen.

Nur einer kehrt noch regelmäßig zurück. Als Hrubesch im letzten Jahr mit dem Junioren-Team des DFB ein Spiel in Essen hatte, machte er natürlich einen Abstecher zu seinem Patenkind.

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