Essen

Von wegen Puppen voller Nadeln: Dieses Voodoo-Museum darfst du auf keinen Fall verpassen

Franziska Bombach
Altare und Opfergaben sind im Voodoo-Museum zu sehen.
Altare und Opfergaben sind im Voodoo-Museum zu sehen.

Voodoo bedeutet „keinen Schmerz“. Kann es aber

Sauberer Voodoo heißt: ohne Blut

Gläubige reisen scharenweise ins Museum in Essen-Rüttenscheid

Essen. Voodoo bedeutet Tod, Schmerz, Rache. Nadeln in einer kleinen Puppe, die stellvertretend für einen verhassten Menschen steht. Wenn du ehrlich bist, glaubst du das genauso, wie ich. Beziehungsweise getan habe.

Bis mein Besuch im Voodoo-Museum in Essen-Rüttenscheid alles verändert hat.

Henning Christoph, Betreiber des Museums, belehrte mich eines Besseren, entführte mich in eine Welt voller Zauber, Heilkraft und tief verankertem Glauben.

Alles ist vollgestopft mit Figuren aus Lehm, Holz und Metall

Während draußen die Sonne strahlt, betrete ich das kleine, dunkle Museum an der Rüttenscheider Straße 36.

Jede Ecke der vier kleinen Räume ist bis zur Decke vollgestopft mit Figuren aus Lehm, Holz oder Metall, Wandmalereien, Altaren, Opfergaben, Hühnerkrallen, Fotos oder bunten Gefäßen.

Ein Museum voller Dinge, mit denen ich nichts anfangen kann. Die mich teilweise sogar gruseln, vor allem, wenn ich an die Flasche mit Schnaps und toten Schlangen drin oder an den menschlichen Unterkiefer mit einem Entenschnabel darin denke.

45 Jahre seines Lebens in dem Museum

Der Ethnologe Henning Christoph erzählt mir zu jedem Ausstellungsstück eine Geschichte. Eine Geschichte aus 45 Jahren seines Lebens. In denen er die Voodoo-Kultur entdeckte und erforschte.

Da gibt es zum Beispiel den Altar mit zahlreichen weißen Skulpturen und Bildern von Frauen. Sie symbolisieren den weiblichen afrikanischen Wassergeist Mami Wata.

Süßigkeiten, Sekt und Geld als Opfergaben

"Mami Wata bestraft jene, die ihr keine Opfergaben bringen. Vor allem Männer", erklärt Christoph. Viele seiner Besucher sind Voodoo-Gläubige. Sie legen Opfer an dem Altar ab.

Was Frauen gefallen könnte, liegt unter den Figuren. Süßigkeiten, Sekt, Geld, Zigaretten, Kosmetik, Lotions und vieles mehr. Damit die Göttin gut ist zu den Gläubigen.

Ist das wirklich nur Aberglaube?

Das Museum ist vollgestopft bis unter die Decke mit uralten Weisheiten. Aberglauben könnte man meinen.

Aber für die Männer und Frauen, die an den Voodoo glauben, ist es eine Lebensphilosophie. Sie glauben an Dinge, die ihnen geschehen können, an Götter, an Heilkräfte.

Und auch daran, dass sie belohnt werden können für gutes Verhalten von Göttinnen wie Mami Wata. Aber auch, dass sie Schmerzen leiden, wenn sie keine Opfergaben bringen oder anderen Menschen Leid zufügen.

Eine Hühnerkralle vor der Tür bedeutet nichts Gutes

"Wenn jemand eine Hühnerkralle vor der Tür liegen hat, weiß er, dass er Mist gebaut hat. Zum Beispiel jemandem Geld schuldet", erklärt Henning Christoph.

Und dann würden die Leute mit Schmerzen rechnen und auch wirklich Bauchkrämpfe bekommen. Ob da nun jemand Nadeln in eine Puppe steckt oder nicht. Glaube kann also einiges bewirken. Ob Menschen, die nicht daran glauben, verschont bleiben, weiß Christoph nicht.

Faszination Voodoo

Nach rund zwei Stunden im Soul of Africa Museum in Essen-Rüttenscheid habe ich die Voodoo-Kultur ein wenig besser verstanden. Und bin fasziniert.

Wenn du dir selbst mal ein Bild machen willst, dann besuche das Voodoo-Museum. Es lohnt sich!