Vom Ast getroffen - Pfingststurm-Opfer verklagt Stadt Essen

Marcus Schymiczek
Das Aufräumen an den Straßen geht weiter. Die Stadt warnt: Noch sei die Gefahr nicht vorbei.
Das Aufräumen an den Straßen geht weiter. Die Stadt warnt: Noch sei die Gefahr nicht vorbei.
Foto: WAZ FotoPool
Die Polizei ermittelt gegen Verantwortliche bei der Stadt Essen wegen fahrlässiger Körperverletzung. Ein Opfer des Pfingststurms hatte Anzeige erstattet. Derweil geht das große Aufräumen nach dem Pfingststurm weiter. An den kommenden Wochenenden bremsen die Arbeiten den Straßenbahnverkehr aus.

Essen. Ordnungsdezernent Christian Kromberg wird nicht müde es zu wiederholen: Noch sei die Gefahr nach Pfingststurm „Ela“ nicht gebannt. Auf traurige Weise darf sich der städtische Beigeordnete nun bestätigt fühlen: Der Polizei liegt eine Anzeige einer Frau vor, die am Waldthausenpark am 1. August von einem herabfallenden Ast getroffen wurde. Die Polizei ermittelt gegen die Verantwortlichen bei der Stadt Essen wegen fahrlässiger Körperverletzung. Die Stadt bedaure auf das Tiefste, dass jemand zu Schaden gekommen sei, sagte Kromberg im Gespräch mit der WAZ. Nach „Ela“ sei dies der erste Vorfall. Dass weitere folgen könnten, sei aber nicht auszuschließen.

Denn nach wie vor droht Gefahr von oben und zwar von brüchigen Ästen und beschädigten Baumkronen. Seit Wochen arbeiten sich Baumpfleger die Hauptverkehrsstraßen entlang. Ab dem morgigen Donnerstag, 2. Oktober, beeinträchtigt dies den Öffentlichen Personen-Nahverkehr. An den folgenden Wochenenden bis einschließlich 16. November werden Baumkronen im Bereich von Oberleitungen überprüft. Aus Sicherheitsgründen muss die Evag auf den betroffenen Streckenabschnitten den Fahrleitungsstrom abschalten (siehe Kasten). Denn andernfalls begäben die Baumpfleger sich in Lebensgefahr.

Die Straßenbahnen und U-Bahnen stellen während der Arbeiten den Betrieb ein, die Evag setzt als Ersatz zwischen sechs und acht Linienbusse ein - soweit dies „wirtschaftlich vertretbar“ sei, schränkt Christoph Lademann von der Evag ein. Im Klartext: Der Verkehrsbetrieb kann nicht garantieren, dass nach Plan gefahren wird. Sollten Busse oder Bahnen ausfallen, soll dies rechtzeitig im Internet unter www.evag.de bekannt gegeben werden.

Aufräumen in den Essener Seitenstraßen geht weiter

Derweil gehen das große Aufräumen in den Seitenstraßen nach Angaben der Verwaltung planmäßig voran. Ein Testlauf in Stoppenberg und Holsterhausen habe sich „als Erfolgsmodell“ entpuppt, so Dieter Schmitz vom Amt für Straßen und Verkehr. Die Behörde hatte Anwohner mit Hilfe von Hinweisschildern aufgefordert, in Straßen, in denen an Bäumen gearbeitet wird, nicht vor den Häusern zu parken. Nach diesem Prinzip wird Grün & Gruga nun im gesamten Stadtgebiet verfahren, als nächstes in Frintrop und Dellwig. Nur für den Fall, dass der Appell ungehört verhallen sollte, wird in den jeweiligen Straßen vorübergehend ein Parkverbot erlassen. Ein solches schreckt nicht jeden ab: An Haupt- und Nebenstraßen seien bislang insgesamt rund 480 Pkw abgeschleppt worden, weil sie die Arbeiten behindert hätten.

Rechtzeitig zu Beginn der Herbstferien meldet Grün & Gruga, dass Kinder auf 395 von stadtweit 408 Kinderspielplätzen wieder toben dürfen. „Leider sieht es nicht überall so aus, wie wir uns das vorstellen“, schränkt der II. Werkleiter, Bernd Schmidt-Knop, ein. Auf einigen Spielplätzen seien Spielgeräte oder Bänke kaputt. „Das kriegen wir erst nächstes Jahr wieder hin“, so Schmidt-Knop.

So lange sollen Jogger und Spaziergänger nicht mehr warten müssen. Beliebte Laufrunden im Stadtwald und auf der Margarethenhöhe sollen in den kommenden Wochen in Absprache mit der Landesforstverwaltung ebenso wieder frei gegeben werden wie die Spazierwege rund um das Wildgehege im Heissiwald.