Vogelheim zeigt, wie das Wohnen sich wandelt

„Ich lebe gerne hier“: Peter Wallutis vor einem unsanierten und einem frisch renovierten Mehrfamilienhaus.
„Ich lebe gerne hier“: Peter Wallutis vor einem unsanierten und einem frisch renovierten Mehrfamilienhaus.
Foto: STEFAN AREND
Eingeklemmt zwischen Hauptverkehrsstraßen und Industrie, bietet Vogelheim wenig Anlässe für einen Besuch im Norden der Stadt. Doch es gibt viel Gutes.

Essen.. Hoch im Norden liegt Vogelheim, eingeklemmt zwischen Hauptverkehrsstraßen, Hafen und Fabriken.

Man kann es aber auch so sehen: „Vogelheim ist eine Insel im Meer der Industrie.“ Das sagt Peter Wallutis (57), der vor mehr als 30 Jahren in ein altes Steigerhaus an der Hafenstraße zog, dort eine Familie gründete und sagt: „Ich fühl’ mich wohl in Vogelheim.“

Vogelheim als Ausstellung für Wohnen im Wandel

Liebe Leser, Hand aufs Herz – wer war schon mal in Vogelheim? Niemand? Ohne dem Stadtteil zu nahe treten zu wollen: Es liegt auch nicht gerade auf der Hand, was Vogelheim ausmacht. Keine berühmten Bauwerke. Keine Ausflugsziele, die stadtweite Bedeutung hätten. Keine spektakuläre Natur.

Nach einem einstündigen Gang mit Peter Wallutis durch Vogelheim hat man sie immer noch nicht gesehen, die berühmten Bauwerke oder die spektakuläre Natur, und doch reiht sich eine Überraschung an die nächste. Die meisten Vorurteile schwinden. Wichtigste Erkenntnis nach 60 Minuten: Vogelheim könnte eine einzige Ausstellung sein für Wohnen im Wandel.

Hier gibt es sie noch, die schmutzgrauen Mehrfamilienhäuser, unsaniert, ohne Balkon, doch sie schwinden nach und nach. „Der Sound von Vogelheim“, sagt Wallutis, „ist derzeit Hämmern, Bohren, Klopfen.“ Die Wohnungsgesellschaften Vivawest, Allbau oder THS brächten nach und nach ihre Objekte in einen zeitgemäßen Zustand, nicht selten werden Blocks an private Eigentümer verkauft, die dann selbst mit einziehen und vorher aufwändig sanieren.

Doppelhaushälften bringen Solidität nach Vogelheim

Am Höltingsweg entstanden vor Jahren schmucke, helle Doppelhaushälften, die einerseits zwar so aussehen wie überall, sie könnten auch in Überruhr oder Borbeck-Mitte stehen, andererseits: Sie bringen ein ordentliches Maß an Solidität in den Stadtteil. „Viele, die hier früher wohnten, sind wiedergekommen und haben sich ein solches Haus gekauft. Darauf sind wir stolz“, sagt Wallutis. Ohnehin, die Menschen seien das Wichtigste im Stadtteil, „und die Durchmischung ist wichtig, damit kein Ghetto entsteht.“

Wallutis weist den Weg entlang an Eigenheimen mit moderner Holzfassade, die man überall vermutet hätte, nur nicht gerade hier, an Klinkerbauten mit stattlichen Autos vor der Tür – ja, es gibt sie hier, die bürgerlichen Ecken. „Was die Vogelheimer an ihrem Stadtteil schätzen“, erklärt Wallutis, „ist die intakte Nachbarschaft. Niemand muss hier allein bleiben.“ Er spricht vom Dorfcharakter, der das Leben erleichtere, auch wenn es an Geschäften fehlt – gerade mal ein Pennymarkt ist da, eine Änderungsschneiderei, ein Kiosk, ein türkischer Supermarkt.

Zwischen den Häusern, sagt Wallutis, sei viel Grün und viel Platz, das sei typisch für Vogelheim, doch der Verkehr, der den Stadtteil umtost, sei ein dauerhaftes Problem. „Als ich vor 30 Jahren an die Hafenstraße zog, konnten Sie abends ab sechs mit dem Fahrrad Kreise fahren. Nach der Öffnung der Grenzen zum Osten hin hat sich das verändert.“ Und so engagiert sich Wallutis seit Jahren für die „Stadtteilkonferenz“, alle zwei Monate kommen Vertreter der Vereine, Behörden, Kirchen zusammen, um über aktuelle Themen zu sprechen. „Vernetzung“, sagt Wallutis, „löst viele Probleme.“ In Vogelheim hat man das erkannt, früher als anderswo.

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