„Vierkant-Design“ verkauft Industrietechnik als Luxus-Ware

Die Gründer des Startups „Vierkant-Design“ in ihrem Büro in der Girardetstraße (v.l.): Jonathan Overhoff, Georg Moser und Bernd Holarek.
Die Gründer des Startups „Vierkant-Design“ in ihrem Büro in der Girardetstraße (v.l.): Jonathan Overhoff, Georg Moser und Bernd Holarek.
Foto: FUNKE Foto Services
Drei junge Ingenieure machen in Rüttenscheid aus alten Bahnhofsuhren und Fluganzeigetafeln Luxus-Wohnartikel.

Essen-Rüttenscheid.. Drei junge Ingenieure, eine alte Bahnhofsuhr und eine Prise Gründergeist – das sind die Zutaten für ein erfolgreiches Start-up. Das beweisen Bernd Holarek (28), Jonathan Overhoff (28) und Georg Moser (29). Vor etwa zwei Jahren gründeten die drei ihr Unternehmen „Vierkant-Design“.

„Damals waren wir noch WG-Nachbarn“, erzählt Bernd Holarek. „Das erste, was wir gemacht haben, war eine alte Bahnhofsuhr zu restaurieren, die Georg angeschleppt hat.“ Als die Uhr endlich fertig war (die Restauration dauerte etwa ein Jahr), hätten sich die drei Jungs gedacht: „Daraus könnte man doch ein Geschäft machen.“ Ein Name war schnell gefunden: „Um die Uhren aufzumachen, braucht man einen Vierkantschlüssel“, erzählt Jonathan Overhoff. „Der Begriff ,Vierkant’ schwebte daher ständig durch den Raum.“

Die langlebige Industrietechnik nutzen

Die Idee der drei Freunde: Anzeigetafeln und Uhren, die an Bahnhöfen und Flughäfen ausgedient haben, beschaffen, restaurieren und umfunktionieren. Aus analogen Zugzielanzeigern und Abflugtafeln machen die Gründer Wohnaccessoires, die digitale Informationen anzeigen – „zum Beispiel Börsenkurse, Fußballergebnisse oder die Weltzeit“, erklärt Bernd Holarek. „Je nachdem, was sich der Kunde wünscht.“ Die Abflugtafeln können sich theoretisch auch mit dem Handykalender synchronisieren, blinkende Boardinglampe als Erinnerung inklusive. Der Clou: „Industrietechnik wird für die Ewigkeit gemacht“, sagt Holarek, „die geht fast nie kaputt.“

Ihre Produkte verkaufen die jungen Männer als Luxusware (Mindestpreis: 2800 Euro) sowohl an Privatleute als auch Unternehmen. Mit Erfolg: Seit eineinhalb Jahren arbeiten die drei Vollzeit in ihrem Start-up – inzwischen nicht mehr in ihrer WG, sondern im eigenen Büro mit Werkstatt an der Girardet­straße. „In ein eigenes Büro zu ziehen war definitiv ein Höhepunkt für uns“, so Holarek. Ein weiteres Highlight folgte vor ein paar Tagen: „Details dürfen wir nicht verraten“, erklärt der 28-Jährige. „Aber wir haben eine große Fallblattanzeige in die Schweiz verkauft.“

Die Gründer haben noch viele Ideen

Natürlich haben die Jung-Unternehmer auch die harte Seite des Gründerlebens kennengelernt: „Mit ,Vierkant-Design’ hatte ich die schönste und die schlimmste Zeit in meinem Leben“, sagt Georg Moser. Ende vergangenen Jahres habe das Projekt sogar auf der Kippe gestanden. „Jetzt läuft das Geschäft sehr gut“, so Moser. So gut, dass die drei überlegen, in Zukunft nicht mehr alles alleine zu stemmen. „Wir wollen wachsen und Arbeitsplätze schaffen“, berichtet Bernd Holarek. „Wir freuen uns schon auf das erste Bewerbungsgespräch, das wir führen.“

Dabei ist mit dem Umgestalten der Bahnhofsuhren und Fluganzeigetafeln irgendwann Schluss, das wissen die Ingenieure schon jetzt. „Irgendwann haben die Bahnhöfe und Flughäfen keine analogen Anzeigen mehr, die sie loswerden wollen“, meint Georg Moser. „Aber Ideen gehen uns als letztes aus.“

 
 

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