Viel Kritik am Bundesverkehrswegeplan

Verkehrs- und Umweltverbände haben gedanklich ein „Entlastungspaket“ für die B 224 geschnürt. Das Prinzip: Viele kleine Schritte.
Verkehrs- und Umweltverbände haben gedanklich ein „Entlastungspaket“ für die B 224 geschnürt. Das Prinzip: Viele kleine Schritte.
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Essener Rat fordert Nachbesserungen für die A 40. Verkehrs- und Umweltverbände schnüren „Entlastungspaket“ für die B 224.

Essen. Die Kritik am Entwurf für den Bundesverkehrswegeplan 2030 wird lauter. Der Rat der Stadt forderte in seiner jüngsten Sitzung Nachbesserungen hinsichtlich des geplanten sechsspurigen Ausbaus der A 40. Dieser dürfe nicht vor Frohnhausen enden. Die U-Stadtbahnstrecke müsse auf das Niveau der angrenzenden Bebauung angehoben, der gesamte Streckenabschnitt mit einem Deckel versehen werden. Dies gehöre ebenso in den vordringlichen Bedarf wie der Rhein-Ruhr-Express und der Radschnellweg durchs Ruhrgebiet.

Gestern legten Vertreter von Verkehrs- und Umweltverbänden nach mit Kritik, der sich auch der evangelische Kirchenkreis anschließt. In deren Fokus liegt der geplante Ruhralleetunnel und der Weiterbau der A 52 durch den Essener Norden. Beide Projekte werden im Bundesverkehrswegeplan als „weiterer Bedarf“ und damit als nachrangig geführt. „Wir fordern, dass sie aus dem Bundesverkehrswegeplan gestrichen werden“, sagt Martin Arnold von der „Mobilitätswerkstadt“. Gleiches gelte für den Ausbau der A 52 bis Gladbeck, vom Bund als vordringlich eingestuft. Kosten-Nutzen-Rechnungen seien mehr als fragwürdig.

Umweltaktivisten kämpfen seit Jahrzehnten

Diese Kritik kommt nicht überrascht, seit Jahrzehnten kämpfen Umweltaktivisten gegen die Realisierung beider Projekte. Bemerkenswert ist vielmehr, dass auch Befürworter des Autobahnausbaus mit Blick auf den Bundesverkehrswegeplan einen Ansatz vermissen, der deutlicher über den reinen Straßenbau hinausgeht. Der so genannte Modal Split, wonach 2030 in Essen jeweils 25 Prozent der Wege mit Rad-, Bahn, Auto und zu Fuß zurückgelegt werden sollen, fände gar keine Berücksichtigung, bemängelt Martin Arnold für die „Mobilitätswerkstadt“.

Diese hält den Ausbau der B 224 nördlich der Stadtgrenze für obsolet. Die Zahl der Pendler ließe sich durch ein „Entlastungspaket“ reduzieren: durch den Bau von Park & Ride-Parkplätzen in unmittelbarer Nähe der an der B 224 gelegenen Bahnhöfe, durch eine Optimierung der Ampelschaltungen, durch den Bau von Abbiegespuren wie auch dadurch, dass im Berufsverkehr wechselweise morgens und abends je drei Spuren in eine Richtung befahren werden.

Den Bau einer neuen Abfahrt der A 42 am Stadthafen, die Anbindung an den Berthold-Beitz-Boulevard sind ebenso im Paket enthalten wie der geplante Radschnellweg und der bereits beschlossene 15-Minuten-Takt im Bahnverkehr zwischen Essen und dem nördlichen Ruhrgebiet ab 2019. Soll heißen: Auch viele kleine Schritte führen ans Ziel.

 
 

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