Verstärkung in Wolffs Revier

Es war ein Krimi, bis zum furiosen Schluss: Diesen Museums-Neubau in der knappen verfügbaren Zeit mit beschränkten Mitteln zu bewerkstelligen - „Mir war nicht immer klar, dass das geht“, bekannte Klaus Wolff gestern. Aber zugegeben, da hatte der Projektsteuerer mit schwäbischen Wurzeln schon wieder gut lachen, weil er’s ja hinbekommen hat, dieses „Wunder“ an der Bismarckstraße, für das sie ihn jetzt alle preisen und das ihn viel gelehrt hat, übers Bauen genauso wie über Politik.

Er war der Mittler zwischen Stadt und Finanzier, Antreiber, Organisator, Prellbock, und dass seine Gesundheit zuletzt arg gelitten hat - wer wollte behaupten, dass dies nicht auch zum Teil mit diesem Vorzeigeprojekt Museum Folkwang zu tun haben könnte, das ihm jetzt neue Türen öffnen, als Sprungbrett dienen wird, keine Frage. Die Begeisterung des Mannes, der schon den (Um-)Bau der Philharmonie im Saalbau betreute, der bei der Eon-Ruhrgas-Zentrale und beim Messe-Hotel im Geschäft ist und auch den Stadion-Neubau als Generalplaner betreuen sowie das Kreuzeskirch-Viertel sanieren will, hat jedenfalls nicht gelitten: Es macht einen Riesenspaß, was Gutes zu realisieren.“

Weil aber der Arbeitsumfang deutlich zugenommen hat - rund die Hälfte der etwa 140 Mitarbeiter seiner Unternehmensgruppe sind mittlerweile in Essen beheimatet - hat Wolff sich Verstärkung für sein Revier geholt: Roland Weiss, bislang auf Zollverein als Stiftungsvorstand für Entwicklung, Bau und Betrieb der Anlagen zuständig, verlässt das Weltkulturerbe und heuert als Geschäftsführer der Wolffschen Firmenholding an.

Für Weiss, der einst bei Agiplan begann und vor dem Wechsel nach Zollverein Projektsteuerer bei Drees & Sommer war, schließt sich damit ein beruflicher Kreislauf. Die Beschränkungen und Zwänge beim Bauen in öffentlichen Strukturen hat Weiss während seiner Zollverein-Jahre zur Genüge kennengelernt, die Vorteile privater Strukturen erlebt. Ab Mai soll sich dies für Wolffs Engagements in Essen und anderswo auszahlen.

Dabei will Wolff auch weiter ungewöhnliche Wege gehen: Wie schon beim Saalbau mit der Cocktailbar „Wolffs Lounge“ springt er auch beim Museumsrestaurant „Vincent & Paul“ als Investor ein. „Wir wollten den hohen Qualitätsanspruch erfüllen und nicht in Krisenzeiten wie diesen den erstbesten Interessenten reinnehmen.“ Für die Stadt zahlt sich das in Form einer guten Pacht aus - auch für die Tiefgarage im Museum, die zu klein ist, um sie wirtschaftlich betreiben zu können. Hier sprang Wolff ebenfalls ein, und hat das Risiko ausbleibender oder zu geringer Erlöse so auf die eigenen Schultern geladen.

Ob auf den Museums-Macher und seinen neuen Partner neue „Wunder“ warten, ist nicht ausgemacht. Obwohl: Das Stadion hinzubekommen, in finanziellen Zeiten wie diesen, das wäre schon eines.

 
 

EURE FAVORITEN