Verprügelter Evag-Busfahrer mit schweren Verletzungen in Klinik

Michael Mücke
Deeskalationstrainer Friedhelm Balodimos unterrichtet 850 Fahrer der Evag darin, sich anbahnende Auseinandersetzungen  zu entschärfen. Attacken wie die vor kurzem in Steele seien „Gott sei Dank“ selten.
Deeskalationstrainer Friedhelm Balodimos unterrichtet 850 Fahrer der Evag darin, sich anbahnende Auseinandersetzungen zu entschärfen. Attacken wie die vor kurzem in Steele seien „Gott sei Dank“ selten.
Foto: WAZ FotoPool
  • Busfahrer wurde während des Dienstes brutal verprügelt
  • Der 46-Jährige hat schwere Kopfverletzungen erlitten
  • Die Polizei fahndet weiter nach dem Täter

Essen. Der 46-jährige Linienbus-Fahrer, der vor acht Tagen während seines Dienstes in Steele von einem Fahrgast niedergeschlagen worden war, wurde dabei so schwer verletzt, dass er auch den Jahreswechsel im Krankenhaus verbringen musste. Laut Polizei wurde der Evag-Fahrer auch noch am Montag stationär behandelt.

Die Polizei fahndet weiter nach dem Täter. Der Sprecher der Essener Verkehrsgesellschaft, Olaf Frei, spricht von einem einzigartigen Vorfall. „An so etwas Schlimmes kann ich mich nicht erinnern. Das kommt sehr selten vor.“

Nach den bisherigen Ermittlungen der Polizei stieg am 29. Dezember gegen 15.40 Uhr ein Mann an der Haltestelle Augenerstraße in den Bus der Linie 164 (Fahrtrichtung Bochumer Landstraße) und zeigte dem Busfahrer den Fahrausweis. Der Fahrer stellte allerdings fest, dass das Ticket abgelaufen sei und wollte den Mann des Busses verweisen. Dabei kam es zu einer Auseinandersetzung, bei der der Zugestiegene nach Angaben eines 24-jährigen Zeugen mehrfach auf den Evag-Fahrer einschlug und danach flüchtete. Das Opfer erlitt schwere Kopfverletzungen und musste ins Krankenhaus gebracht werden.

Täter noch nicht identifiziert

Der 1,80 bis 1,85 Meter große Täter mit kurzen dunkelblonden Haaren konnte bisher nicht identifiziert werden. Er trug zur Tatzeit eine grüne Jacke und dunkelblaue Jeans. „Die Ermittlungen laufen noch. Wir befragen Zeugen, und wir suchen noch Zeugen“, berichtet Polizeisprecherin Tanja Hagelüken.

„Der Kollege wird weiter von uns betreut und erhält die erforderliche Unterstützung seitens des Unternehmens“, erklärt Evag-Sprecher Frei. „Jeder Vorfall ist definitiv ein Vorfall zuviel und wird von uns auf das Äußerste verurteilt.“ Zwar seien Gewalttaten wie diese die Ausnahme, „aber das Klima ist härter geworden“, so Frei.

Dies bestätigt auch Friedhelm Balodimos, der Deeskalationstrainer für die 850 Bus- und Bahnfahrer der Evag, die ihm über ihre Erfahrungen im Dienstalltag berichten. Es werde gespuckt, gepöbelt, beleidigt „So etwas hören wir immer wieder. Gott sei Dank gibt es aber nur wenige körperliche Übergriffe.“

Die Evag listete im Vorjahr 61 Vorfälle gegen das Fahrpersonal auf – von verbalen Beschimpfungen bis zu Bedrohungen. Das sind deutlich weniger als gegen Kontrolleure.

Fahrer sollten sich ein dickes Fell anlegen

Trotzdem: „Ich rate auch den Fahrern, sich ein dickes Fell anzulegen“, sagt Trainer und Ex-Polizist Balodimos, der seit acht Jahren alle Evag-Fahrer während eines achtstündigen Trainings darin schult, mit Stress und riskanten Situationen umzugehen. Dabei geht es darum, einen sich anbahnenden Streit zu entschärfen, seine eigene Gemütslage zu beherrschen und sein Gegenüber zu beruhigen.

Evag-Bedienstete, die sich vor Übergriffen fürchten, können auch an einem Selbstverteidigungskursus teilnehmen, den ihnen der Arbeitgeber anbietet. Das Deeskalationstraining gehört zum Pflichtprogramm.