Vermisster Pierre Pahlke - Ermittler treten auf der Stelle

Gerd Niewerth
Der Fall Pierre Pahlke war auch schon Thema bei  "Aktenzeichen XY... ungelöst" im ZDF.
Der Fall Pierre Pahlke war auch schon Thema bei "Aktenzeichen XY... ungelöst" im ZDF.
Foto: Archiv
Die Suche nach dem seit Monaten vermissten Pierre Pahlke aus Gladbeck - sie soll auf jeden Fall weitergehen. Einige Hoffnung auf neue Erkenntnisse hatten sich nicht nur Pierres Eltern, sondern auch der ermittelnde Kommissar nach der Ausstrahlung der XY-Sondersendung über vermisste Kinder gemacht.

Essen/Gladbeck. Gut zwei Wochen sind seit dem „Aktenzeichen XY“-Spezial vergangen. Die Sendung, die im Vermisstenfall Pierre Pahlke für die Ermittler und Eltern das allerletzte Fünkchen Hoffnung sein sollte. Doch Kriminalhauptkommissar Ralf Menkhorst zuckt mit den Achseln und sagt: „Wir treten weiter auf der Stelle, den entscheidenden neuen Ermittlungsansatz haben wir leider nicht erhalten.“

Der Essener Kommissar hatte im Münchener Studio zusammen mit Pierre Pahlkes Eltern die Fragen von XY-Moderator Rudi Cerne beantwortet. „Gut hundert Hinweise haben wir seitdem erhalten“, sagt er. Weit mehr als zu den anderen drei Vermisstenfällen des Spezialformats „Wo ist mein Kind?“. Hinweise kamen nicht nur aus dem Ruhrgebiet, sondern auch aus anderen Teilen Deutschlands. Selbst in Österreich und in der Schweiz meldeten sich Zuschauer. Die meisten griffen zum Telefonhörer oder schrieben eine E-Mail, einige erschienen sogar persönlich bei der nächsten Polizeidienststelle.

„Leider waren viele Hinweise ziemlich vage“, berichtet Menkhorst. Etliche Anrufer wollen den seit neun Monaten vermissten 21-Jährigen auf der Straße, in einer Fußgängerzone oder in Begleitung anderer Leute gesehen haben. Realistisch sind diese Angaben nicht. Pierre, seit dem 17. September letzten Jahres vermisst, ist seit der Geburt geistig behindert und deshalb nicht in der Lage, selbstständig Ausflüge zu unternehmen. Er wuchs in Gladbeck auf und war im Sommer 2012 in die Behinderteneinrichtung“Heimstatt Engelbert“ auf der Manderscheidtstraße in Frillendorf gezogen. Zum letzten Mal ist er an jenem Freitagabend zwischen 19.15 und 20 Uhr im Penny-Markt auf der Ernestinen-/Langemarckstraße gesehen worden.

Im „Trinkgut“-Getränkemarkt neben der „Heimstatt Engelbert“ zählte Pierre zu den Stammkunden. „Ob die Pierre überhaupt noch finden?“, fragt Geschäftsführerin Monika Schleifenbaum. Die meisten ihre Kunden hätten das „XY-Spezial“ gesehen. „Der Fall Pierre lässt hier niemanden gleichgültig“, fügt sie hinzu. Die Essener Kriminalpolizei steht nach wie vor in engem Kontakt mit Pierres besorgten Eltern. Aufgrund der starken Resonanz auf das Aktenzeichen-Spezial konfrontierten diese Menkhorst ungeduldig mit der Frage: „Wie geht’s jetzt weiter?“. Doch der Kommissar musste ihnen die unbefriedigende Auskunft geben: „Wir haben leider nichts.“

"Sie können ja nicht einmal trauern"

Der Ermittler kann nachempfinden, wie sehr die quälende Ungewissheit an den Eltern nagt. Das ist das Erschütternde an diesem ungewöhnlichen Vermisstenfall: Dass die Eltern nicht zu wissen, ob ihr Sohn noch lebt oder von seinen Peinigern möglicherweise schon umgebracht worden ist. Menkhorst weiß um diese immense seelische Belastung, der die Pahlkes aus Gladbeck ausgesetzt sind. Er sagt: „Sie können ja nicht einmal trauern.“

Mehrere Monate lang hatte Ralf Menkhorst die inzwischen aufgelöste Ermittlungskommission geleitet. „Trotzdem geht die Suche weiter“, betont er. „Die Akte Pierre liegt ständig griffbereit in meinem Büro.“