Verkaufsoffene Sonntage 2016: Essener Allianz kündigt Widerstand an

Wenn in der Essener Innenstadt sonntags die Läden öffnen, ist die City gut besucht.
Wenn in der Essener Innenstadt sonntags die Läden öffnen, ist die City gut besucht.
Foto: Ulrich von Born / NRZ
Weniger statt mehr verkaufsoffene Sonntage: Kirchen und Gewerkschaften in Essen wollen auch gegen den Vorstoß in Werden und Kettwig angehen.

Essen.. Nächste Woche wollen die Einzelhändler und die Interessensgemeinschaften in den Essener Stadtteilen die verkaufsoffenen Sonntage für 2016 festlegen und anschließend dem Stadtrat vorlegen.

In dem Thema ist dieses Jahr besonderer Zündstoff enthalten. Denn die Essener Allianz für den freien Sonntag, hinter der Kirchen und Gewerkschaften stehen, kündigte bereits Widerstand an und will die Zahl der verkaufsoffenen Sonntage drastisch von 43 Veranstaltungen auf elf reduzieren. Der Sprecher der Allianz, Klaus Winkelmann (66) von der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung, ist die treibende Kraft hinter dem Vorstoß. Janet Lindgens sprach mit ihm.

Herr Winkelmann, warum kam Ihr Vorstoß eigentlich erst dieses Jahr? Das neue Ladenschlussgesetz ist ja schon länger in Kraft.

Klaus Winkelmann: Im vergangenen Jahr waren wir zu spät dran, damals hatte die Politik die verkaufsoffenen Sonntage schon genehmigt. Deshalb haben wir dieses Jahr frühzeitig reagiert.

Sie wollen nur noch bei elf Festen die Sonntagsöffnung der Läden erlauben. Wie kommen Sie auf die elf?

Grundlage dafür ist ein juristisches Gutachten, das anhand des neuen Ladenschlussgesetzes untersucht hat, wann Läden öffnen dürfen. Das gilt in der Regel nur, wenn Traditionsfeste stattfinden. Wir haben uns alle Veranstaltungen mit verkaufsoffenen Sonntagen aus dem Jahr 2015 angesehen und aussortiert. Alle Veranstaltungen, die das Wort Markt enthalten, fielen schon mal negativ auf.

Warum haben Sie dann auch die verkaufsoffenen Sonntage während der Weihnachtsmärkte herausgestrichen? Das sind doch Veranstaltungen mit langer Tradition – so wie es auch das Gesetz definiert.

Ich habe dabei vor allem den Markt auf dem Kennedyplatz im Blick. Der hat in der Weihnachtszeit so viel Zulauf, dass nicht auch noch die Läden öffnen müssen. Das ist in meinen Augen Wettbewerbsverzerrung.

Das klingt alles ziemlich willkürlich. Damit machen Sie sich angreifbar.

Das ist mir bewusst. Ich muss mir ohnehin immer wieder anhören, dass ja auch Feuerwehrleute und Krankenschwestern sonntags arbeiten müssen. Da geht es aber darum, Menschen zu helfen. Das lässt auch die Bibel zu.

In Werden und Kettwig wollen die Einzelhändler jetzt sogar die verkaufsoffenen Sonntage noch ausdehnen. Das läuft Ihrem Vorstoß ja nun völlig entgegen.

Das werden wir uns genau anschauen. Denn wir wollen das verhindern.

Was werden Sie tun, wenn der Essener Stadtrat Ihrer Liste nicht folgen wird?

Wir werden uns jedes Fest mit verkaufsoffenen Läden noch einmal genau anschauen und anhand der Kriterien überprüfen. Notfalls werden wir über den Rechtsweg an einzelne Veranstaltungen herangehen. Wir bleiben auf jeden Fall dran.

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