Vergewaltigungsvorwurf: 21-Jähriger nach fünf Monaten U-Haft freigesprochen

Fünf Monate saß er in U-Haft, dann wurde der 21-Jährige, neben ihm Verteidiger Tobias Degener, vom Vorwurf der Vergewaltigung freigesprochen.
Fünf Monate saß er in U-Haft, dann wurde der 21-Jährige, neben ihm Verteidiger Tobias Degener, vom Vorwurf der Vergewaltigung freigesprochen.
Foto: WAZ
  • 19-Jährige verwickelte sich in viele Widersprüche
  • Verteidiger nennt Aussage „erstunken und erlogen“
  • Angeklagter saß fünf Monate lang zu Unrecht in U-Haft

Essen. Auf den geplanten zweiten Prozesstag verzichtete die VI. Strafkammer. Zu viele Widersprüche hatte sich die 19-Jährige in ihrer Vernehmung erlaubt, so dass das Urteil schnell fest stand. Das Gericht sprach am Donnerstag einen 21 Jahre alten Asylbewerber aus Guinea vom Vorwurf der 30-fachen Vergewaltigung frei.

Fünf Monate lang hatte der junge Mann in Untersuchungshaft gesessen. Offenbar zu Unrecht. Sie habe so etwas noch nie erlebt, sagte Richterin Jutta Wendrich-Rosch angesichts der Aussage des angeblichen Opfers. Verteidiger Tobias Degener nannte die Vorwürfe im Plädoyer „erstunken und erlogen“.

Anfang des Jahres hatte die 19-Jährige bei der Polizei von einem wahren Martyrium gesprochen. Ihr Bekannter, mit dem sie gemeinsam in einer Band Straßenmusik mache, habe sie in seiner Wohnung am Rande der südlichen Innenstadt eingesperrt und mehrfach vergewaltigt. 10 bis 15 Mal habe er sie seit dem 2. Januar täglich zum Sex gezwungen, allein mit seiner körperlichen Überlegenheit als Druckmittel, gab sie in der Vernehmung an. Zweifel an der Manneskraft eines 21-Jährigen kamen offenbar nicht, für die Anklage wurde die Zahl auf täglich mindestens zehn Mal reduziert; auch das wäre eine stolze Leistung.

Angeklagter hat keine Erklärung für die Beschuldigungen

Am 4. Januar habe sie sich befreien können, weil sie ihrer Schwester eine SMS schrieb: „Ich werde festgehalten.“ Kurz danach kam die Polizei und nahm den 21-Jährigen fest. Er hat die Taten immer bestritten, auch am Donnerstag zum Prozessauftakt. Eine Erklärung, warum sie ihn zu Unrecht beschuldige, habe er aber nicht.

Die hatten auch die Juristen nicht. Dass an den Vorwürfen etwas nicht stimmen kann, wurde aber schnell klar. Zahlreiche Widersprüche gab es zur polizeilichen Vernehmung. Immerhin war die 19-Jährige aber aus ihrem Heimatland Polen zum Prozess nach Essen gereist. Zwei Jahre lang hatte sie im Frankfurter Raum in der privaten Altenpflege gearbeitet, sei in dieser Zeit häufig nach Essen gefahren. Warum? „Ich wollte mir die Stadt anschauen.“ Den Angeklagten habe sie zufällig kennengelernt. Sie erzählte dann, von den drei Tagen in der Wohnung des 21-Jährigen, erwähnte aber erst auf Nachfrage der Richterin, dass sie dort vergewaltigt wurde. Details beschrieb sie nicht.

Schließlich ein Satz, den sie dem Angeklagten zuschrieb: „Er sagte, er sei Moslem und ich sein Eigentum. Er könne sich nehmen, was er brauche und ich müsse nach dem Koran leben.“ Ein komplizierter Satz. Bei der Polizei hatte sie gesagt, sie würden beide schlecht Deutsch sprechen und sich nur „mit Händen und Füßen“ verständigen.

 
 

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