Verein will Eisenhammer im Deilbachtal in Kupferdreh retten

Die Wiege der Metallverarbeitung: der Eisenhammer im Deilbachtal in Essen-Kupferdreh.
Die Wiege der Metallverarbeitung: der Eisenhammer im Deilbachtal in Essen-Kupferdreh.
Foto: Remo Bodo Tietz, NRZ
Die historische Hammerschmiede im Deilbachtal in Essen-Kupferdreh soll nicht länger dem Verfall preisgegeben werden. Die Stadt baut nun auf bürgerschaftliches Engagement. Der Eisenhammer nebst Inventar ist eine nahezu originalgetreu erhaltenen Schmiede aus der frühindustriellen Zeit.

Essen. Im Kupferdreher Deilbachtal in Essen bestätigt sich, dass der Fortschritt zuweilen eine Schnecke ist. Denn was den Erhalt des einmaligen Ensembles aus historischen Hammerschmieden, aus Meister- und Arbeiterhäusern betrifft, geht es nur im Kriechtempo voran. Dass etwas getan werden muss, um dieses Kleinod für die Nachwelt zu erhalten, ist seit Jahren unbestritten. Handelt es sich beim Deilbachtal doch um die Wiege der industriellen Eisenverarbeitung im Ruhrgebiet. Ein Pfund, mit dem die Stadt Essen eigentlich wuchern könnte.

Immerhin: Am guten Willen mangelt es nicht mehr. „Zuzusehen, wie ein solches historisches Zeugnis dem Verfall preisgegeben wird, entspricht nicht unserem Berufsethos“, formuliert Ulrich Borsdorf, ehemals Leiter des Ruhrmuseums auf Zollverein, zu dessen Außenstellen das Deilbach-Ensemble zählt, und heute 1. Vorsitzender des Vereins „Idee“, der vor Jahren maßgeblich an der Rettung der Hammerschmiede auf der Margarethenhöhe beteiligt war.

Nur eine Chance

Vergleichbares soll endlich auch im Deilbachtal gelingen. In einem ersten Schritt geht es um den Erhalt des Eisenhammers, einer - man mag es kaum glauben - nebst Inventar nahezu originalgetreu erhaltenen Schmiede aus der frühindustriellen Zeit. Der Verein Idee hat sich dafür zu einem Konsortium zusammengeschlossen mit dem Historischen Verein für Stadt und Stift, mit der Bürgerschaft Kupferdreh und dem Ruhrmuseum. „Ohne bürgerschaftliches Engagement geht es nicht“, betonte Kulturdezernent Andreas Bomheuer gestern einmal mehr vor der Presse. Denn der Stadt fehlen die Mittel, um die Schmiede und ihre Nebengebäude instand zu setzen.

Der Landschaftsverband Rheinland hat finanzielle Hilfe in Aussicht gestellt, knüpft diese aber an Bedingungen. Zwei Gutachten sind deshalb in Arbeit. Eines, das detailliert Auskunft gibt über den baulichen Zustand der Gebäude. Und eines zur Frage der Entwässerung, die es zu klären gilt. In grauer Vorzeit wurde der Eisenhammer per Wasserkraft angetrieben. Der Ablaufgraben von einst ist heute längst verfüllt und lässt sich aus technischen Gründen nicht wieder herstellen. Die Folge: Wenn der Deilbach über die Ufer tritt, steht der Eisenhammer hüfthoch unter Wasser. Die Entwässerung ist der Schlüssel für die Rettung des Deilbachhammers. Der LVR wartet auf Antworten und auf ein schlüssiges Konzept, wie der Betrieb des Deilbach-Ensembles finanziert werden soll. Die Zeit drängt. „Wir haben nur einen Schuss frei“, so Theo Grütter, Direktor des Ruhrmuseums. Und der muss sitzen.

 
 

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