Vater schleudert Kind aufs Pflaster – fast sieben Jahre Haft

Stefan Wette
Das Essener Gericht überbot bei seinem Urteil den Ankläger deutlich: Der 58-Jährige muss fast sieben Jahre ins Gefängnis.
Das Essener Gericht überbot bei seinem Urteil den Ankläger deutlich: Der 58-Jährige muss fast sieben Jahre ins Gefängnis.
Foto: Essen
Ein Vater, der sein eineinhalb Jahre altes Kind aufs Pflaster geworfen hatte, muss sechs Jahre und neun Monate ins Gefängnis. Er wurde in Essen wegen versuchten Totschlags verurteilt.

Essen. Der 58-Jährige hatte seiner 39 Jahre alten Frau die Schuld zugewiesen, aber das Schwurgericht sah in ihm den Verantwortlichen. Sechs Jahre und neun Monate lang soll der Altenessener in Haft, weil er sein eineinhalb Jahre altes Kind auf den gepflasterten Hofzugang geworfen hatte. Das sei ein versuchter Totschlag gewesen, entschied die Kammer am Mittwoch.

Am Boden liegende Frau geschlagen und getreten

Das Gericht überbot bei seinem Urteil sogar den Ankläger deutlich. Denn Staatsanwalt Joachim Lichtinghagen hatte „nur“ viereinhalb Jahre Gefängnis beantragt. Auch er sah in dem Fall einen versuchten Totschlag. Verurteilt wurde der 58-Jährige auch für die Tritte und Schläge gegen seine am Boden liegende Frau. Diese Tat hatte er eingeräumt, den Wurf der Tochter aber bestritten. Sie sei seiner Frau beim Gerangel aus der Hand gefallen. Verteidigerin Ruth-Maria Fischer hatte lediglich für die Gewalt gegen die Frau eine Bewährungsstrafe gefordert.

Richter Andreas Labentz betonte, dass der Angeklagte bislang nie verurteilt wurde. Die Töchter des 58-Jährigen aus seiner ersten Ehe hätten auch sicher Recht, wenn sie ihn als treu sorgenden Vater beschrieben.

Doch irgendwann kam der Bruch im Leben des seit einigen Jahren an einer Depression erkrankten Mannes. Obwohl er noch verheiratet war, heiratete er 2013 eine Frau, die er bei einem Heimatbesuch in Marokko kurz zuvor kennengelernt hatte. Im Sommer 2014 kam die Tochter des Paares zur Welt, aber die Beziehung war schon da nicht mehr gut. Die Marokkanerin zog für zehn Monate in ein Mutter-Kind-Heim.

Kind überlebte Aufprall auf Pflaster wie durch ein Wunder

Später bekam sie in Altenessen eine Wohnung in der Karlstraße mit der Auflage der Behörden, dass der 58-Jährige dort nicht einziehen dürfe. In der Nacht zum 13. Januar 2016 schlief er dort dennoch, morgens kam es auf der Straße zum Streit. Dabei hob er sein Kind aus dem Kinderwagen und warf es laut Urteil aufs Pflaster. Wie durch ein Wunder hat das Kind den Aufprall überlebt. Ohne Folgen, versichern die Ärzte, es ist gesund.