Urlaub im Bauwagen-Hotel in der Idylle am Essener Ruhrufer

Daniel Schreckenberg
Am Essener Ruhrufer kann man in neun ehemaligen Bauwagen übernachten
Am Essener Ruhrufer kann man in neun ehemaligen Bauwagen übernachten
Foto: Knut Vahlensieck / WAZ FotoPool
Urlaubszeit ist Campingzeit. Doch wenn das Zelten zu unbequem und der Wohnwagen zu teuer ist, müssen Alternativen her. Eine gibt es in Steele Horst. Am Essener Ruhrufer kann man in neun ehemaligen Bauwagen übernachten. Und das hat sich mittlerweile bis nach Australien herum gesprochen.

Essen. Aufgereiht wie an einer Perlenschnur stehen die bunten Bauwagen nur einen Ausfallschritt vom Ruhrufer in Steele Horst entfernt. Doch wo früher Vorarbeiter mit ihren Kollegen den Malocher-Schweiß beim kurzen Päuschen trockneten, legt heute Simone Bauer frische Bettwäsche auf das Doppelbett im Büchsenbau. Auf dem Campingplatz der Essenerin schläft es sich nämlich nicht nur in Zelt und Caravan; auch in neun ehemaligen Baustellenruheräumen – alle nach einem Stadtteil benannt – können bis zu vier Personen ihre Ferien an der Ruhr verbringen.

Und so wohnt das Urlaubsglück hier auf bis zu 16 rollenden Quadratmetern: Die Wiese grün, der Ruhrtalradweg direkt vor der Nase. Auf einer kleinen Erhöhung: „Rüttenscheid“, der rote Bauwagen, den Michael mit Hündin Lotta für eine Woche bezogen hat. „Ich habe die Wagen immer beim Spazieren an der Ruhr gesehen“, verrät der Bochumer, „und sie sahen gemütlich aus.“ Davon überzeugte er sich selbst. „Ich bin begeistert. Vor allem der Hund hat hier bei unseren Ausflügen seinen Spaß.“ Das sieht man, gönnt er sich gerade den wohlverdienten Mittagsschlaf.

„Direkt an der Ruhr gibt es kaum Übernachtungsmöglichkeiten. Die Leute aber wollen das und nicht in einem Hotel in der Stadt schlafen“, beschreibt Simone Bauer ihr kleines Erfolgsrezept.

Besucher aus allen Teilen der Welt

Und kommen die Bewohner von „Rüttenscheid“ auch nur aus der Nachbarstadt, hat sich das kleine „Ruhridyll“ bereits bis in die hintersten Winkel der Erde herumgesprochen. Backpacker aus Australien, Industriekultur-Enthusiasten aus der Schweiz: Beim Ruhr-Camping geht es mittlerweile international zu. Bauer: „Das kam alles richtig überraschend, doch die Kulturhauptstadt hat nicht nur als Anschub gedient, sondern hatte eine unglaublich nachhaltige Wirkung.“

So hat es auch die Brüder Heinz-Jürgen und Lothar Bierbaum mit Freund Gerd Weberschock nach „Bredeney“ verschlagen. Die passionierten Angler kommen aus der Nähe von Gütersloh – und stehen auf besondere Unterkünfte: „Erst im letzten Jahr waren wir auf einem Pontonboot in Brandenburg unterwegs. Jetzt probieren wir die Bauwagen“, freut sich Heinz-Jürgen und hofft auf Anglerglück: „Auch wenn es bei dem aktuellen Hochwasser eher gut für die Fische und schlecht für uns aussieht.“

Das Hochwasser ist auch der Grund, warum überhaupt erst Bauwagen auf der Anlage stehen. Denn der Campingplatz steht auf Überschwemmungsgebiet der Ruhr. Und so rollen die Bauwagen im Herbst auf den nächsten Parkplatz.

Einen Campingplatz zu betreiben, das war überhaupt nicht ihr Plan, als Simone Bauer im Winter 2006 das Grundstück „In der Lake“ kaufte: „Mein Mann wollte sich einfach ein Wassergrundstück zulegen.“

Aus Nebentätigkeit wird Full-Time-Job

Dieses wurde schon seit über 60 Jahren als Campingplatz genutzt, zunächst als Zeltplatz in unmittelbarer Nähe des Horster Strandbades, später als Reservoir für Dauercamper. Bauer: „Wir wollten diese kleine Idylle erhalten und beschlossen den Campingplatz weiterzuführen. Das war allerdings nur möglich, wenn man den Platz für Touristen öffnet.“

Schnell war die Idee mit einer besonderen Übernachtungsmöglichkeit geboren: Alte Bauwagen, von Familie Bauer mühevoll und in Handarbeit entkernt und renoviert, wurden ab Sommer 2008 ein echter Hingucker. Und kaum war die Farbe am ersten Wagen getrocknet, zog bereits ein Journalist aus Dänemark ein. Die Folge: beste Mundpropaganda.

Heute sind es neun Wagen, zwischen zehn und sechzehn Quadratmeter groß, teils mit, teils ohne eigenes Badezimmer eingerichtet und bieten Platz für zwei bis vier Personen. Kosten für die Übernachtung: ab 18 Euro pro Person.

Was als Nebenbeschäftigung begann, ist längst zum Full-Time-Job für die gelernte Sekretärin geworden: „Ich war in diesem Jahr das erste Mal während der Saison verreist. Die Quittung: 200 unbeantwortete Anfragen für Übernachtungen.“