"Unser Star für Baku"-Kandidatin Leonie Burgmer bleibt auf dem Boden

Kein bisschen abgehoben: Leonie Burgmer im „Haus Großjung“ in ihrer Heimat Steele-Horst. Foto: Walter Buchholz
Kein bisschen abgehoben: Leonie Burgmer im „Haus Großjung“ in ihrer Heimat Steele-Horst. Foto: Walter Buchholz
Foto: WAZ FotoPool
Seit ihrem Auftritt bei „Unser Star für Baku“ wird die Essenerin Leonie Burgmer oft angesprochen, doch die Sängerin hebt nicht ab. Kurz nach ihrem zweiten Auftritt am Donnerstag startet Leonie Burgmer am Freitag, 27. Januar, in der Heldenbar im Grillo die neue Reihe „Lottes Laden“, in der sie junge Musiker vorstellt.

Essen-Horst.. So ist das, wenn man plötzlich berühmt ist: Als Leonie Burgmer in der Gaststätte „Haus Großjung“, unweit ihres Elternhauses in Steele-Horst, einen Milchkaffee bestellt, bringt die Bedienung nicht nur das erwünschte Heißgetränk, sondern hält ihr auch einen Block und Stift unter die Nase: „Könnte ich ein Autogramm bekommen?“ Vor zwei Wochen wäre ihr das noch nicht passiert – aber da hatte sie auch noch nicht ein Millionenpublikum in der Casting-Show „Unser Star für Baku“ begeistert.

Nicht ganz ohne Stolz setzt die 21-Jährige ihre Unterschrift auf das Blatt Papier. „Das war mein erstes Autogramm, das ich je geben durfte“, lächelt Leonie Burgmer. Es werden bestimmt noch einige folgen, denn immerhin schaffte sie es unter die letzten zehn Kandidaten in der Show, die darüber entscheidet, wer Deutschland in diesem Jahr beim Eurovision Song Contest vertritt.

„Mein Handy stand nicht mehr still“

Für die Essenerin ist das noch lange kein Grund, abzuheben. „Ich versuche, mit beiden Beinen am Boden zu bleiben“, sagt sie, „denn ich weiß, dass das alles genauso schnell vorbei sein kann, wie es angefangen hat, falls ich aus der Show fliege.“ Ihre Freunde und Familie helfen ihr dabei, geerdet zu bleiben, auch wenn nach ihrem ersten erfolgreichen Auftritt bei ihr „ganz schön was los war“. „Mein Handy stand nicht mehr still“, lacht sie. Dabei habe sie mancher Zuspruch überrascht: „Meine alte Kindergärtnerin hat mir auf die Mailbox gesprochen und meine erste Fanpost kam von meiner Grundschullehrerin“, freut sie sich.

Na, immerhin wurde in der Grundschule der Grundstein gelegt für ihre Musikerkarriere: „Ich habe musikalische Früherziehung genossen“, erinnert sie sich, erst am Glockenspiel, später lernte sie Klavier, im Gymnasium kam das Saxofon dazu. Gesangunterricht habe sie jedoch nie genommen, räumt sie ein. „Dass ich ganz gut singen kann, habe ich erst realisiert, als der Anruf kam, dass ich es in die Liveshows geschafft habe.“ Zur Bewerbung für „Unser Star für Baku“ habe sie ein Freund überredet, der bei der Produktionsfirma arbeitet. „Der meinte, dort würden Musiker gut gefördert.“

„Viel positives Feedback“

Und tatsächlich: Die Band lege sich sehr ins Zeug für die Kandidaten und auch die Jury sei „überraschend hilfsbereit: So sei Stefan Raab bei jeden Proben dabei und gebe Tipps, auch Thomas D. und „Frida Gold“-Sängerin Alina Süggeler gäben „viel positives Feedback.“ Das gab es auch in Form von Internetkommentaren unmittelbar nach ihrem Auftritt: Doch unter den regen Zuspruch mischten sich auch einige kritische Stimmen, die sie unter anderem als „schlechter Lena-Abklatsch“ bezeichneten. „Ich hätte nicht gedacht, dass das so extrem diskutiert wird“, gibt sie zu.

Das ändert nichts daran, dass ihr erster Auftritt, bei dem Leonie „Stronger Than Me“ von Amy Winehouse auf höchst eigene Weise interpretierte, für sie ein ganz großer Moment war: „Es ist schon etwas Tolles, auf so einer großen Bühne zu stehen und vor so vielen Leuten zu singen.“ Wenn sie auch schon zu Schulzeiten, in der Theatergruppe des Gymnasiums an der Wolfskuhle, in Musicals wie „Hair“ und „West Side Story“ gesungen hat und auch jetzt sogar bei unterschiedlichen Projekten des Grillo-Theaters auf und hinter der Bühne steht: Professionelle Schauspielerin oder gar Sängerin will Leonie Burgmer nicht werden. „So lange ich das als Hobby betreibe, kann ich spielen und singen, was ich will“, sagt sie. Doch wenn die Bühne ihr Beruf sei, werde es schnell zu einem Job wie jeder andere, bei dem andere entscheiden, was sie zu tun und zu lassen habe, fürchtet sie.

Und so wird sie, wenn nun am Donnerstag unverhofft alles enden sollte, einfach weitermachen mit ihrem Lehramts-Studium in Essen. Ohnehin kann die gebürtige Horsterin sich nicht vorstellen, ihre Heimatstadt dauerhaft zu verlassen. „Hier sind alle meine Freunde, außerdem liegt im Ruhrgebiet alles so schön nah beieinander “, sagt sie. So sind sie, die Ruhrgebietler: immer bodenständig – auch wenn sie nach den Sternen greifen.

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