Unichor singt „Annelies“ in der Alten Synagoge

Mit einem solchen Ansturm hatten die Veranstalter wohl doch nicht gerechnet. Weit mehr als die genehmigten 350 Besucher waren in die Alte Synagoge gekommen, um die Aufführung des Oratoriums „Annelies“ zu erleben – sitzend, stehend oder auf dem Boden hockend. Es war das Semesterprojekt des Unichores Duisburg-Essen anlässlich des 70. Todestages von Anne Frank, die kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges im KZ Bergen-Belsen starb.

Der 1963 geborene Komponist James Whitbourn schrieb, basierend auf ausgewählten Texten aus dem Tagebuch der Anne Frank, ein 75-minütiges Werk für Chor, Solosopran und kleines Kammerensemble, das nicht zuletzt durch die sparsame Instrumentation und den Respekt vor dem Wort unter die Haut geht. Seine Klangsprache ist tonal und fasslich mit einer stilistischen Bandbreite vom getragenen Lamento über den schlichten Choral, der als Oase der Glückseligkeit wie aus einer anderen Welt herübertönt, bis zum dramatisch erhitzten Rezitativ.

Dazu hat Dirigent Hermann Kruse den rund 150-köpfigen bewusst deklamierenden Chor gut vorbereitet, auch wenn manche Einsätze die intonatorischen Tücken des Stückes erkennen lassen. Sopranistin Christine Graham gab die Solopassagen in makelloser Schönheit und Virtuosität, Nina Liepe (Violine) und Nikolai Pfeffer (Klarinette) brachten eindrückliche instrumentale Farbvaleurs ein.

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