Um die Stadt verdient gemacht

Foto: Kaufmann

Für Ulrich Roehm war es wie ein Familientreffen, zu dem seit Jahrzehnten auch Norbert Lammert gehört. Der heutige Bundestagspräsident gehörte zu der Tanzgemeinde, die am Samstag im fast ausverkauften Aalto-Theater den Tanzmanager, Lehrer und Tanzdarsteller der 1950er und 1960er Jahre mit persönlichen Lobreden rühmte und stehenden Ovationen ehrte. Ulrich Roehm und seine Frau Renate strahlten übers ganze Gesicht, als die Elevinnen ihrer früheren Ballettschule im Spalier ins Aalto einmarschierten, jede mit einer weißen Rose in der Hand.

Dass dem fast 80-Jährigen der Deutsche Tanzpreis 2013 in seiner Heimatstadt von seinem Nachfolger Günter Pick überreicht wurde, wirkte wie eine Geste der Dankbarkeit. Dieser Dank galt einem Lebenswerk, galt dem, was der Netzwerker und Ideengeber Roehm seit Gründung des Fördervereins und Fachverbandes für die Ausbildung, für die internationale Verbreitung deutscher Tanzkunst und auch für Essen erreicht hat. Zwischen John Neumeiers Talentschmiede Hamburg und dem Tanzmekka Stuttgart etablierte Roehm die Ruhrmetropole als feste Größe der Tanzwelt.

Auch die Ballett-Gala als glanzvoll künstlerischer Rahmen der Tanzpreis-Verleihung war einst seine Idee. Mit einer Auswahl exzellenter Bewegungskünstler bietet sie eine Leistungsschau deutscher Spitzenkompanien und ein Forum für den Nachwuchs. So tanzten zu Roehms Ehren überwiegend Solisten und Paare, die in den letzten Jahren mit dem Tanzpreis Zukunft ausgezeichnet wurden. 2005 wurde dieser Preis, auch von Roehm, ins Leben gerufen.

Im 30. Jahr Tanzpreis-Geschichte hat sich einiges verändert. So ging der Zukunftspreis erstmals an eine Gruppe: an acht Ballettstudenten des Bundesjugendballetts, die mit Kostproben ihrer Spring-, Dreh- und Hebe-Technik begeisterten. Leider standen ihre ausgedehnten „Bernstein Dances“ am Ende der viereinhalb-Stunden-Gala und damit im Schatten der ausgereiften Topstars.

Mit Johlen und Pfeifen gefeiert wurden besonders kraftvolle Meisterwerke klassischer Moderne. Zunächst das Ausdruckssolo „Äffi“ des Modell-Athleten Marijn Rademaker: Mit blankem Oberkörper geht der Niederländer (früher Stuttgart, heute Amsterdam) auf die Suche nach der Körpersprache unserer Vorfahren, wobei jeder Muskel, jede Sehne sichtbar wird. Seine Mischung aus archaischer und klassischer Bewegung betört ebenso wie der akrobatische Pas de deux „Mona Lisa“ von Jason Reilly und seine Partnerin Alicia Amatriain. Den Clou lieferten die beiden aber in einer grandiosen Persiflage auf Spitzentanz mit dem „Grand Pas de deux“ nach Rossinis „Diebischer Elster“. Mit rotem Handtäschchen und roter Brille nimmt die Stuttgarter Primaballerina Amatriain klassische Posen und Balancen auf die Schippe.

 
 

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