Um Deilbachhammer wird hart gerungen

Marcus Schymiczek
Ein denkmalwürdiges Ensemble: der Deilbachhammer in Kupferdreh. (Foto:Kerstin Kokoska)
Ein denkmalwürdiges Ensemble: der Deilbachhammer in Kupferdreh. (Foto:Kerstin Kokoska)
Foto: WazFotoPool
Der Deilbachhammer ist ein Kulturdenkmal - um die Rettung des Ensembles wird hart gerungen.

Wenn ein Ausschuss des Stadtrates mit all seinem politischen Gewicht etwas niederschreibt, kann es der Sache nur dienen. Auch wenn das, worum es geht, niemand in Frage stellt. So hielt der Kulturausschuss im September 2009 fest: Der Deilbachhammer sei nicht weniger als ein stadtprägendes Kulturdenkmal.

Der Deilbachhammer, das ist der letzte Eisenhammer im Ruhrgebiet, komplett erhalten samt Inventar, aber leider in einem solch beklagenswerten Zustand, dass man sich fragt, warum die Stadt ein so prägendes Kulturdenkmal derart verkommen lässt. Immerhin: Der gute Wille ist da. So beschloss der Kulturausschuss in besagter Septembersitzung, das gesamte Ensemble „in öffentlicher Hand“ zu behalten und langfristig „museal“ zu nutzen. Seit dem fragt sich die interessierte Öffentlichkeit: Wie soll das gelingen?

In der kommenden Woche will die Kulturverwaltung darauf die passende Antwort geben. Der Bericht, den sie den politischen Gremien zur Abstimmung vorlegt, enthält viele gute Ideen und wohl gemeinte Absichtserklärungen, unterm Strich aber bleibt die wenig überraschende Erkenntnis, dass die Stadt das Ensemble mit eigenen finanziellen Mitteln nicht wird erhalten können. Ja, ohne privates Engagement und Geld wird das historische Erbe wohl weiter verfallen.

Politischer Sprengstoff

Für politischen Sprengstoff ist damit gesorgt, wie die aktuelle Diskussion um den Bau einer Lagerhalle vor der Deiler Mühle zeigt, auch sie ist Bestandteil des Ensembles wie der erstmals im 14. Jahrhundert erwähnte Deilmannsche Bauernhof und der Kupferhammer von 1550.

Die Verwaltung spricht sich dafür aus, einen Erbbauvertrag mit dem derzeitigen Mieter der Mühle, einem Futtermittelhändler abzuschließen. Dieser hat sich dafür bereit erklärt, die sanierungsbedürftige Gebäude instand zu setzen. Die von der städtischen Immobilienwirtschaft beantragte Baugenehmigung für die Lagerhalle wurde inzwischen erteilt. Widerstand gibt’s von Seiten der CDU. Die sorgt sich um die schöne Aussicht auf die Mühle und fürchtet, die museale Nutzung könnte in einem Gewerbebetrieb zu kurz kommen. Einen alternativen Vorschlag, wie die Stadt das Deilbachensemble denn erhalten könne, haben die Christdemokraten bislang aber nicht auf den Tisch gelegt.

Die Stadt wird jedenfalls nur für die Bestandssicherung aufkommen können, betont die Verwaltung, was bereits beim Eisenhammer einem finanziellen Kraftakt gleichkommt.

Historisches
Entwässerungssystem

Schon seit den 1960er Jahren säuft der Bruchsteinbau regelmäßig ab, wenn der Deilbach zu weit über die Ufer tritt. Das historische Grabensystem, das zur Entwässerung diente, war seinerzeit durch eine allerdings höchst anfällige Pumpentechnik ersetzt worden. Um den Graben wieder herzustellen, müsste zunächst eine Rampe so präpariert werden, dass sie auch schweres Gerät tragen kann. Kosten: rund 100 000 Euro.

Zwei historische Arbeiterhäuser am Deilbachhammer konnten nur mit finanzieller Hilfe des Landschaftsverbands Rheinland (LVR) zumindest davor bewahrt werden, über kurz oder lang in sich zusammenzufallen. Rund 100 000 Euro hat der LVR gegeben. Eine Förderung über weitere 150 000 Euro hat die Stadt beantragt. Mit welchem Geld aber das ehemalige Meisterhaus saniert werden soll, ist völlig offen. Auch dieses Gebäude weist massive Baumängel auf.

Erst der Keller, dann das Dach, lautet ein Handwerkerspruch. Die Verwaltung denkt darüber hinaus: Gästewohnungen in den Arbeiterhäusern könnte sie sich vorstellen und eine Anlaufstelle des RVR vergleichbar mit Haus Ripshorst in Oberhausen, ist doch auch im Deilbachtal eine regionale Fahrradroute geplant. Alles schöne Ideen, die Erfahrung zeige aber auch, dass ein Denkmal wie der Deilbachhammer ohne einen handwerklich und technisch versierten „Kümmerer“ nicht zu erhalten sei. Zu dumm, dass die Politik einem Interessenten schon vor Jahren die kalte Schulter gezeigt hat.

Wie es gehen könnte, zeigt der Metallgestalter Michael Stratmann am Kupferhammer an der Nierenhofer Straße, den die Stadt bereits in Erbpacht vergeben hat. Stratmann veranstaltet Ausstellungen und Schmiedevorführungen. Einen „Info-Point“ und eine Ausstellung im ehemaligen Kutschenhaus könnten dies ergänzen, heißt es. Ein Exponat wäre ein Kinderschuh, gefunden einem der Arbeiterhäuser am Deilbachhammer, wo die Geschichte so große Spuren hinterlassen hat.