Überraschungspraktikant punktet bei Ausbildungssuche

Vom Überraschungspraktikanten zum Azubi: Samiullah Rahmani ( re) wird bei Laminatdepot in Essen eine Lehre beginnen, weil sich Personalleiter Marc Breian sehr
Vom Überraschungspraktikanten zum Azubi: Samiullah Rahmani ( re) wird bei Laminatdepot in Essen eine Lehre beginnen, weil sich Personalleiter Marc Breian sehr
Foto: Essen
Bewerber als Wundertüte: Essener Firmen ließen Jugendliche zur Probe arbeiten, von denen sie vorher nichts wussten. Ein Experiment, das glückte.

Essen.. Marc Breian ist Personalleiter beim Einzelhandelsunternehmen Laminatdepot und hat sich dieses Jahr auf ein besonderes Experiment eingelassen: Die Arbeitsagentur vermittelte ihm elf Praktikanten, von denen er lediglich den Namen kannte. Keinen Lebenslauf, keine Noten, sondern pure Überraschung. Und Marc Breian sagte sich: „Wir haben ja nichts zu verlieren, sondern können nur gewinnen.“

Einer seiner Überraschungspraktikanten war der 19-jährige Samiullah Rahmani. Für ihn war die zweitägige Arbeit bei Laminatdepot in der Schederhofstraße schließlich der Türöffner für eine Ausbildungsstelle zum Einzelhandelskaufmann, die er am kommenden Montag bei dem Handelsunternehmen beginnt. „Ich bin froh, dass das geklappt hat. Eine Ausbildung zu bekommen, ist gar nicht so einfach“, sagt Samiullah Rahmani, der als 15-Jähriger ohne seine Familie aus Afghanistan nach Deutschland floh, in Essen die Schule abschloss und für den das deutsche Ausbildungssystem zunächst völlig neu war. „So etwas, wie Bewerbungsschreiben gibt es in Afghanistan nicht.“ Ebenso wenig eine Berufsausbildung selbst.

Samiullah Rahmani ist ein gutes Beispiel dafür, dass manche Jugendliche wohl bessere Chancen auf eine Lehrstelle hätten, wenn ihnen Arbeitgeber zunächst unvoreingenommen gegenübertreten würden. „Unsere Erfahrung zeigt, dass viele Unternehmen erst einmal den Lebenslauf und die Zeugnisse sehen wollen“, berichtet Arbeitsvermittlerin Ekaterina Janik, die auch Samiullah Rahmani betreute. Viele Jugendliche fielen so von vorn herein durchs Raster und bekämen gar keine Chance, sich zu beweisen. Sie erlebe dagegen viele Jugendliche, die wie Samiullah Rahmani sehr motiviert sind, die es aber mit einem Türöffner leichter haben.

Natürlich schaute sich auch Marc Breian nach dem Praktikum die Unterlagen des 19-Jährigen an und führte mit ihm ein Vorstellungsgespräch. „Es geht uns auch, aber nicht nur um die Noten. Wir brauchen engagierte Mitarbeiter“, betont der Personalchef.

Bislang nur wenige Firmen offen

Generell war die Offenheit der Arbeitgeber für das Experiment, das die Essener Arbeitsagentur im Frühjahr startete, bislang nicht allzu groß. „Nicht alle angesprochenen Unternehmen haben so offen reagiert wie Laminatdepot“, bedauert Ekaterina Janik. Insgesamt hätten vier Unternehmen mitgemacht. Von den insgesamt 18 vermittelten Überraschungspraktika mündeten schließlich vier in einen Ausbildungsvertrag. Laminatdepot hätte statt der nun zwei Praktikanten sogar vier eingestellt, doch zwei sprangen wieder ab.

Ekaterina Janik wertet die Ergebnisse positiv und die Arbeitsagentur wird weiter für die Überraschungspraktika werben. „Wir hoffen natürlich, dass sich noch mehr Unternehmen darauf einlassen“, sagt sie. Samiullah Rahmani indes ist für die Hilfe dankbar. „Ich werde sie jedem empfehlen.“ Und auch Marc Breian will sich weiter überraschen lassen.

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