Übergriffe bei "Essen Original" – eine schlimme neue Erfahrung

Frank Stenglein kommentiert die sexuellen Übergriffe beim Festival "Essen Original".
Frank Stenglein kommentiert die sexuellen Übergriffe beim Festival "Essen Original".
Foto: WAZ FotoPool
Es ist eine bodenlose Unverschämtheit, wie hier die Gastfreundschaft und Aufnahmebereitschaft einer Stadt und ihrer Bürger vergolten wird. Ein Kommentar.

Essen. Das Beste, was man über die kriminellen Vorgänge bei Essen Original sagen kann, ist dies: Die Polizei hat durchgegriffen, sofern sie die sexuellen Belästigungen bemerkte. Doch was folgert nun daraus? Werden Musikfeste, der Karneval und Silvesternächte im Freien nur noch zu verantworten sein, wenn ein Heer von Polizisten und privaten Sicherheitsleuten die üblichen Verdächtigen genau im Auge hat? Wie lange kann das gut gehen, wie lange ist es finanzierbar? Und zu verhindern ist ja offenkundig eben dennoch längst nicht alles.

In Essen hat sich im kleineren Rahmen wiederholt, was schon bei vielen ähnlichen Anlässen geschah und nach der Kölner Silvesternacht mit Wucht ins öffentliche Bewusstsein drang: Migrantische Männer mit einem unterirdischen Geschlechterbild vergreifen sich wortwörtlich oder verbal an jungen Frauen, weil sie sie für Freiwild erachten. Mancher, der um die Willkommenskultur fürchtet, beeilt sich auch jetzt wieder, dies als lässliche Sünde zu deklarieren. Motto: „Gab’s doch immer schon“.

Das ist falsch. Ein Veranstaltungsprofi wie EMG-Chef Dieter Groppe, der schon viel gesehen hat, bewertet die Vorgänge des Freitagabends bei Essen Original als schlimme neue Erfahrung. Und wer in den sozialen Medien die Kommentare unter den WAZ-Texten liest, vor allem die von Frauen, der kann lesen und spüren, wie die Verunsicherung immer mehr um sich greift. „Am besten man bleibt zu Haus“, ist so ein resignierender Satz, der hängenbleibt. Das kann, das darf nicht das letzte Wort sein.

Kleinkriminalität grassierte auf Kettwiger Straße

Leider scheint niemand ein Rezept zu haben, wie man Menschen, die oft in einer Kultur der Gewalt aufgewachsen sind, hier rasch an zivile Gepflogenheiten gewöhnt. Die paar Stunden in Polizeigewahrsam, bevor sie wieder auf freien Fuß kommen, sind für die Täter wohl kaum eine erzieherische Erfahrung.

Obwohl die sexuelle Belästigung besonders widerlich ist und bei den Opfern tiefe Spuren hinterlassen kann, verdienen auch die anderen Delikte eine Erwähnung. Wenn selbst auf der Kettwiger Straße am „Original“-Wochenende hemmungslos die Kleinkriminalität grassierte, muss man sich nicht wundern, wenn die Image-Probleme der Innenstadt weiter wachsen. Und auf der Viehofer Straße ist die Drogenkriminalität schon lange ein Dauerthema – auch sie eine Domäne von Migranten.

Es ist eine bodenlose Unverschämtheit, wie hier die Gastfreundschaft und Aufnahmebereitschaft einer Stadt und ihrer Bürger vergolten wird.