Über Stottern muss man sprechen

Stottern ist ein Thema, über das man sprechen muss, meint Johannes Pitov. Und das nicht nur am heutigen Welttag des Stotterns. Und auch nicht nur hinter verschlossenen Türen, wie es Selbsthilfegruppen tun. Pitov (51) kennt sich mit dem Thema aus – in jedem Bereich. Der Bauingenieur aus Mülheim ist nicht nur seit der Kindheit von der Sprachbehinderung betroffen, er leitet auch die Stotterer-Selbsthilfegruppe, die erst im Mai in Essen gegründet wurde.

„Das Wort Stottern klingt in jeder Sprache hässlich“, meint Pitov. „Nur bei den Spaniern nicht. Die sagen ,habla tarde’ dazu – später sprechen.“ Das beschreibt das Phänomen gut: Stotterer wissen ja ganz genau, was sie sagen wollen, sie können es eben nur nicht flüssig aussprechen. Daher ist es nicht hilfreich, sondern sogar unhöflich, wenn man für den Betroffenen Wörter und Sätze vervollständigt.

„Der größte Gegner des Stotterers ist er selbst“, betont Pitov. Man traue sich nichts mehr zu, fühle sich beobachtet. „Dann setzt die Sprechangst ein.“ Ehe man stottert, sagt man lieber nichts mehr. Wenn man Freunde hat, die für einen mitreden, muss man ja auch nicht. Das ist keine Lösung, wie Johannes Pitov betont, der Themen wie diese mit den rund 45 Mitgliedern der Selbsthilfegruppe bespricht. Das Gros der Mitglieder ist männlich und zwischen 20 und 40 Jahren, darunter Menschen, die im Job viel sprechen müssen.

Wichtig ist vor allem Aufklärung. Vorurteile, dass Menschen mit einer Störung des Sprechablaufs auch sonst Defizite haben könnten, „spuken immer noch in manchen Köpfen herum“, weiß Pitov. Fremde Gesprächspartner sind unsicher, wissen nicht, wie sie umgehen sollen mit der ungewohnten Gesprächssituation. „Ein Stotterer braucht Raum, um seine Sprache artikulieren. Man kann ihm dabei nicht helfen“, betont Pitov. „Lassen Sie ihm Zeit. Achten Sie einfach darauf, was er sagt. Und nicht wie.“

Auch Stotterer müssten lernen, dass sie am Ende überzeugen müssten mit dem, was sie sagen. „Ob ich dabei stottere, ist doch egal, wenn das Ziel des Gesprächs erreicht ist.“ Eltern, deren Kinder stottern, rät Johannes Pitov, locker zu bleiben. Aber nicht selbst an der Sprechbehinderung rumzudoktern, nach dem Motto „hol doch mal tief Luft“. Bei Kindern kann eine Stottertherapien schon im Alter von zwei, drei Jahren sinnvoll sein. Und im Übrigen bleibe Stottern bis ins hohe Alter veränderbar.

 
 

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