Über die Sprache Goethes in der Welt

Deutsch kommt international häufiger vor, als man zunächst vielleicht annehmen könnte. „Wer regelmäßig Nachrichten und Auslandsberichte im deutschen oder österreichischen Fernsehen schaut, dem fällt vielleicht auf, dass die Reporter in vielen Ländern Gesprächspartner finden, die Deutsch sprechen“, so Prof. Dr. Ulrich Ammon in der Einleitung seines neuen, 1300 Seiten starken Buchs über die Stellung der deutschen Sprache in der Welt. Es spiegelt die Ergebnisse von mehr als 200 Forschungsprojekten wider, die der emeritierte Sprachexperte der Universität Duisburg-Essen zur deutschen Sprache und ihrem Verhältnis zu den anderen Weltsprachen durchgeführt hat.

Sprachliche Supervielfalt gibt es in zahlreichen Großstädten der Welt. So werden in Essen zum Beispiel mehr als 120 verschiedene häusliche Sprachen gesprochen. Oft redet man jedoch auf Englisch miteinander angesichts der zunehmend engen internationalen Kontakte. Auch die neuen Medien benötigen eine globale Sprache, die von allen verstanden wird. Der fast konkurrenzlose Aufstieg von Englisch zur weltweit dominierenden Sprache begann erst nach dem Ersten Weltkrieg. Zuvor war Deutsch die Sprache der Wissenschaft und Französisch die Diplomatensprache.

Aber wer hätte gedacht, dass Deutsch heute die zweithäufigste Sprache im Internet ist gemessen an der Zahl deutschsprachiger Webseiten? Mit 79,5 Prozent weist Deutsch sogar die höchste „Internetdurchdringung“ auf (Verhältnis von Internetnutzern zu Sprechern der Sprache). Ein Indiz für die intensive Internetnutzung der Deutschsprachigen ist auch die starke Stellung der deutschen Sprache in der Internet-Enzyklopädie Wikipedia: Zunächst rangierte Deutsch auf dem zweiten Platz, jetzt auf Rang drei (hinter Englisch und Niederländisch). Ammon: „Die deutsche Sprache spielt heute im Internet eine durchaus merkliche Rolle, wenn auch in der zweiten Liga, auf ähnlichem Niveau wie Spanisch, Portugiesisch, Arabisch oder Französisch.“

Deutsch wird rund um die Welt gelernt, aber nicht wegen der verhältnismäßig geringen Sprecherzahl, sondern wegen der Wirtschaftskraft der deutschsprachigen Länder oder auch aus Tradition. Ammon: „Es darf natürlich nicht übersehen werden, dass Deutsch sich unter den Bedingungen der heutigen globalen Kommunikation zu behaupten hat.“

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