U-Bahnhöfe Berliner Platz und Rathaus: So läuft der Umbau

Tram-Station Berliner Platz: Die verstaubten Rolltreppen fahren nicht. Die Männer mit den Atemmasken steigen runter, machen sich an die Arbeit. Foto: Kerstin Kokoska / FUNKE Foto Services
Tram-Station Berliner Platz: Die verstaubten Rolltreppen fahren nicht. Die Männer mit den Atemmasken steigen runter, machen sich an die Arbeit. Foto: Kerstin Kokoska / FUNKE Foto Services
Foto: Essen
  • U-Bahnhof Rathaus Essenwird für 3,7 Millionen Euro saniert
  • Tram-Station Berliner Platzwird bis 11. Juli für 6,3 Millionen Euro saniert
  • Rathaus-Bahnhof wird erst Ende des Jahres fertig

Essen. In die Tram-Station kommt man an dieser Stelle nur mit dem Schlüssel rein. Bertram Gröpper hat ihn. Der Bauchef der Evag schlängelt sich im U-Bahnhof Berliner Platz an den Fahrgästen vorbei, die am Bahnsteig auf die U11 und U17 warten. Am Ende bleibt er vor einer provisorischen Holzwand stehen, in der Mitte eine kleine verschlossene Tür. Hier ist der öffentliche Zugang versperrt. Gröpper dreht den Schlüssel und geht die Treppe hinunter in eine andere Welt: voller Dreck, voller Lärm. Essens staubigster Bahnhof.

Die dritte unterirdische Ebene, die nur von den Straßenbahnen angefahren wird und normalerweise von 15.000 Fahrgästen pro Tag benutzt wird, ist seit drei Monaten dicht. Die Rolltreppen stehen, sie haben eh zu viel Staub geschluckt. Die Arbeiter tragen Atemmasken. Jetzt wird geschliffen, gebohrt und montiert. Die riesigen Plastikbahnen am Bahnsteig flattern. Wieder fährt unsichtbar ein Zug der Linien 101/106, 103, 105 oder 109 langsam durch, ohne zu halten. Die Kunden, die in der Bahn sitzen, können den Bahnhof nicht sehen. Der ist für sie quasi verhüllt.

Die Zwischendecke ist schon abmontiert

Bertram Gröpper, Abteilungsleiter für den Ingenieurbau beim Verkehrsbündnis Via, schaut sich um, nickt zufrieden. Und er sagt das, was man sich mitten zwischen den Gerüsten und Baumaschinen in diesem Geisterbahnhof kaum vorstellen kann. „Wir liegen haarscharf im Plan. Das ist unsere strukturierteste Baustelle“. Der Mann hat wirklich Weitblick. „Am 11. Juli ist hier alles fertig“, versichert er. Dann halten die Züge wieder.

Die Zwischendecke ist schon abmontiert. Die Station wirkt jetzt viel geräumiger. Die Sanierung der 25 Jahre alten Tram-Station ist schon wegen der erhöhten Brandschutzanforderungen erforderlich. Hinzu kommen zwei neue Aufzüge, damit darauf Wartende nicht mehr auf dem Bahnsteig Schlange stehen. Für Blinde wird ein Rillen-Leitsystem installiert. Die Halle wird am Ende in Silbergrau erstrahlen, beleuchtet mit stromsparendem LED-Licht, das auch ein blaues Band anstrahlt, das an einen Fluss erinnert.

Rathaus-Bahnhof erst Ende 2016 fertig

Ortswechsel: U-Bahnhof Rathaus Essen, die zweite große unterirdische Baustelle – und seit einigen Monaten auch die sauberste. Hier wird nur nachts gearbeitet, tagsüber läuft der Linienverkehr normal weiter. Dafür dauert alles länger. Erst Ende des Jahres ist der Umbau abgeschlossen, Ende 2017 der neue Aufzug im Betrieb. Der jetzige Lift hat noch Scheiben, die im Falle eines Brandes der Hitze nicht standhalten und bersten können.

Immerhin: Die Kunden müssen nicht mehr darauf achten, ob sie sich irgendwo auf dem Bahnsteig die Kleidung schmutzig machen. Die Abriss- und gröbsten Schleifarbeiten sind längst erledigt, die verbliebenen kleinen Baustellen-Abschnitte klar abgetrennt. Fast fertig sind bereits die vier gläsernen Türme, die über die Rolltreppen gestülpt wurden, damit bei einem Feuer den Fahrgästen nicht der Fluchtweg verraucht.

Kunst von Andreas Stöcklein im U-Bahnhof

Bei der Sanierung des Rathaus-Bahnhofes geht es nicht nur um mehr Sicherheit. Pastelltöne und eine hellere Gestaltung sollen den Aufenthalt dort angenehmer machen. Und: In dieser exponierten City-Lage darf die Kunst im Untergrund nicht zu kurz kommen. Der portugiesische Künstler Andreas Stöcklein, der seit vielen Jahren in Essen lebt, gestaltet die Wände mit handgemalten Fliesen und vielen Motiven, manche so klein, dass man sie fast übersieht. Die Stirnseite ist bereits fertiggestellt, vor der sich Gröpper postiert. „Das gibt dem Bahnhof eine neue Tiefe“, findet er. Künstler Stöcklein, der schon mehrere Bahnhöfe im Ausland „bearbeitet“ hatte, kam eines Tages einfach in das Büro von Gröpper und zeigte einige Vorlagen seiner Arbeit. „Die haben mich gleich überzeugt“, erinnert sich Gröpper. Er glaubt, dass im Bahnhof keine Langeweile mehr aufkommt, wenn der Fahrgast wieder etwas länger auf den Zug warten muss. „Wenn man genau auf die Fliesen guckt, entdeckt man immer wieder etwas Neues.“

Teurer Brandschutz für Essener U-Bahnhöfe

Nach dem Flughafen-Brand in Düsseldorf vor 20 Jahren wurden überall die Anforderungen an den Brandschutz deutlich erhöht.

Ein Brandschutz-Gutachten in Essen ergab später: Alle 23 unterirdischen Stationen müssen saniert werden. Mehr als zehn Millionen Euro wurden schon investiert. Am Ende werden es über 50 Millionen Euro sein.

Derzeit werden der U-Bahnhof Rathaus Essen für rund 3,7 Millionen Euro und die Tram-Station Berliner Platz für 6,3 Millionen Euro saniert.

Das Wichtigste dabei ist, dass sich im Ernstfall der Rauch nicht so schnell ausbreitet, damit alle Fahrgäste sich in Sicherheit bringen können. Deshalb werden abgehängte Decken entfernt und Aufgänge besonders geschützt.

Ausgetauscht werden PVC-Leitungen, die bei einem Brand giftiges Dioxin freisetzen können.

 
 

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