TV-Duell zur Landtagswahl: Landesmutti bügelt den netten Onkel von nebenan ab

Hannelore Kraft (SPD) und Armin Laschet (CDU) am Rande des TV-Duells.
Hannelore Kraft (SPD) und Armin Laschet (CDU) am Rande des TV-Duells.
Foto: dpa

Kraft (SPD) gegen Laschet (CDU) - auf den Wahlplakaten wirkt das wie Langeweile gegen Frühjahrsmüdigkeit. Haben sie live mehr Biss? Am Dienstagabend stellten sich die beiden NRW-Spitzenkandidaten einem TV-Duell im WDR.

Die Fragesteller: die WDR-Chefredakteurinnen Sonia Mikich und Gabi Ludwig. Die Themen umfassten das gesamte Spektrum der Landespolitik, von der Schulpolitik über die Innere Sicherheit, der Wohnungs- und der Verkehrspolitik bis hin zur Wirtschaftslage.

Wir beantworten die wichtigsten Fragen zum TV-Duell.

Wer war souveräner?

Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (55) kam im knallroten Jackett, Laschet (56) trug eine orange Krawatte. Beide blieben die meiste Zeit freundlich. Die Rollenaufteilung war wie erwartet. Kraft präsentierte sich als in sich ruhende Landesmutti und lächelte die meiste Zeit milde über Laschets Ausführungen. Doch Mutti kann auch meckern - als es um ihren umstrittenen Innenminister Jäger und ums Ruhrgebiet ging, wurde sie laut.

Armin Laschet wollte sich als angriffslustiger Herausforderer inszenieren. Das klappte aber nur bedingt. Er verplauderte sich besonders zum Schluss mit seltsamen Anekdoten ("Ein Sechstklässler hat an die Bildungsministerin geschrieben! Seit Wochen kein Matheunterricht, in Deutsch sieht es nicht viel besser aus"). Am Ende bleibt er der nette Onkel von nebenan - und ließ sich von der Landes-Mutti unterbuttern.

Wer konnte inhaltlich stärker punkten?

Kraft wirkte klarer, hatte mehr Fakten auf Lager. Kostenlose Kita-Plätze (bis 30 Stunden) für alle, mehr Lehrer, mehr Polizisten - sie präsentierte den Zuschauern einfach verständliche Konzepte. Kam Kritik an ihrer Landesregierung auf, konterte sie locker. Dann brachte sie Vergleichszahlen mit anderen Ländern und schaffte es, NRW in ein warmes, optimistisches Licht zu tauchen. Tenor: Ja, es gibt Probleme - aber wir schaffen das schon. "Wir sind alle Nordrhein-Westfalen".

Laschet konnte besonders beim Thema Innere Sicherheit punkten. Er forderte Schleierfahndung, um Einbrüchen vorzubeugen und Fußfesseln für Gefährder. Krafts umstrittenen Innenminister Jäger (SPD) attackierte er scharf - besonders, als es um den Fall des Berlin-Terroristen Anis Amri ging: "Was muss denn noch passieren, ehe Sie (Frau Kraft) sagen, das legen wir einem Richter vor?"

Bei anderen Themen (zum Beispiel Integration) schien er sich innerlich schon auf eine NRW-GroKo vorzubereiten und stimmte Hannelore Kraft teils zu: "Frau Kraft hat recht." Viel zu selten wurde er so deutlich wie beim Thema Kita-Plätze: "Wenn es um den Landeshaushalt von NRW geht, ist das falsch."

Selbst beim Katastrophen-Thema Verkehr konnte er kaum punkten.

Wo wurde es peinlich?

Armin Laschet warf Krafts Regierung Versagen nach der Kölner Silvesternacht vor. Sie habe erst Tage später reagiert - obwohl doch die Kölner Lokalmedien bereits am Tag danach über die ungeheuerlichen Ereignisse berichtet hätten.

Krafts bizarre Antwort: Außer Lokalzeitungen in Köln hätten das nicht alle mitbekommen - und sie lebe nicht in Köln. Offenbar nutzt Frau Kraft keine Online-Medien oder Facebook.

Was kam zum Ruhrgebiet?

Das Ruhrgebiet sei das "Sorgenkind" des Landes, so die Fragestellerinnen: "Woran liegt das?"

Hannelore Kraft sieht einen Grund in der teils hohen Zuwanderung aus Rumänien und Bulgarien, will gegen Schrottimmobilen vorgehen und ihre "verlässliche" Politik für die Wirtschaft fortführen.

Laschet regte sich über das Thema Schrottimmobilien auf, warf Kraft vor, wie im Fall Duisburg nicht rechtzeitig reagiert zu haben: "Da muss man beim 10., 20. Haus eingreifen - nicht erst beim 121."

Kraft haute dazwischen: "Stimmt nicht!" Thema beendet. Konzepte? Neue Ideen, um dem Ruhrgebiet zu helfen? Fehlanzeige.

Und wer will mit wem koalieren?

Beide schlossen eine Koalition mit der AfD aus, Laschet auch ein Bündnis mit den Linken. Hannelore Kraft sagte dazu nur: "Ich halte die Linken nicht für regierungsfähig."

Auf Nachfrage wollte Laschet keinen Lieblingspartner nennen - im Gegensatz zu Kraft, die gerne weiter mit den Grünen regieren würde.

Alles in allem: Kein Schlaftabletten-Duell - aber wenige neue Erkenntnisse über die Spitzenkandidaten von SPD und CDU.

Nordrhein-Westfalens Landtag wird am 14. Mai gewählt. In den Meinungsumfragen hat die regierende rot-grüne Koalition seit längerem keine Mehrheit mehr. Die SPD kommt in den Befragungen der verschiedenen Institute auf 34 bis 37 Prozent, die CDU auf 27 bis 34. Die FDP landet bei 7 bis 12 Prozent. Die Grünen erreichen durchgängig 6 Prozent. Die AfD kommt auf 7 bis 11 Prozent, die Linke auf 5 bis 8.

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