Turock-Festival Opfer von Falschgeld-Betrügern und Leergut-Dieben

Philipp Wahl
Tatort „Turock Open Air“: Auf dem Viehofer Platz feierten bei „Essen Original“ tausende Fans. Die Menschenmengen und die Hektik nutzten auch Kriminelle aus: Falschgeld-Betrüger, Leergut- oder Metalldiebe und Taschendiebe.
Tatort „Turock Open Air“: Auf dem Viehofer Platz feierten bei „Essen Original“ tausende Fans. Die Menschenmengen und die Hektik nutzten auch Kriminelle aus: Falschgeld-Betrüger, Leergut- oder Metalldiebe und Taschendiebe.
Foto: WAZ FotoPool
Klingt abenteuerlich, ist aber so: Die Macher des „Turock Open Air“ wurden bei „Essen Original“ um etwa 2400 Euro geprellt: An den Bierwagen jubelten den Mitarbeitern Betrüger 16 falsche Fuffziger und eine 100-Euro-Blüte unter. Später transportierten Diebe Stahlfässer – Pfandwert: 1500 Euro – mit dem Taxi ab.

Essen. Dass ausgerechnet Peter Siewert das Stadtfest „Essen Original“ noch als „gutes Wochenende mit freundlicher Stimmung und toller Atmosphäre“ verbucht, darf getrost als Gütenachweis für das Programm auf dem Viehofer Platz gewertet werden. Oder als Ausdruck großer innerer Ruhe. Denn vor der Bühne, auf der sich drei Tage Heavy-Metal-Bands austoben konnten, wurde der 39-Jährige von Trickbetrügern und Metalldieben um 2400 Euro geprellt. Die Kriminellen gingen so einfallreich wie schamlos zu Werke: Sie jubelten Siewerts Mitarbeitern 900 Euro Falschgeld unter und transportierten Leergut – Bierfässer aus Edelstahl – im Wert von 1500 Euro ab, teilweise in einem Taxi.

Falsche Fuffziger und Hunderter

Aber der Reihe nach: Siewert ist Inhaber der Metal-Disko „Turock“ direkt am Viehofer Platz und stellt mit seinem Team seit 2007 für Essen Original das „Turock Open Air“ auf die Beine. Am Wochenende öffnete er für die Matten schwingenden Fans vier Bierwagen. Als der Geschäftsmann Kassensturz machte, hielt er final 16 falsche Fuffziger und eine 100-Euro-Blüte in Händen: „Das ist organisierte Kriminalität.“

Zum Vergleich: Die Sparkasse Essen registrierte in der Vergangenheit nach Angaben ihres Sprechers Volker Schleede jährlich selten mehr als 100 falsche Banknoten. Der Betrug vom Wochenende sei eine „ungewöhnliche Häufung“. Zumal bei der Bank Anfang der Woche drei weitere Kunden Falschgeld abgaben und obendrein Stadtfest-Veranstalter Essen Marketing direkt betroffen war, so EMG-Pressereferentin Ina Will: „Bei uns sind zwei falsche Hunderter gelandet.“ Ein weiterer Gastronom meldete am Freitag bereits einen gefälschten 100-Euro-Schein. Darum, so Will, habe die EMG alle Partner frühzeitig davor gewarnt, Fünfziger und Hunderter anzunehmen.

„Uns hat niemand gewarnt“, hält Turocker Siewert dagegen. Seine Mitarbeiter konnten die Scheine in der Hektik und Dunkelheit nicht auf die bekannten Sicherheitsmerkmale überprüfen. Die Polizei bittet nun mögliche weitere Opfer, sich unter 8290 zu melden. Bis gestern Abend war Siewert der einzige, der in Essen Anzeige erstattet hatte.

Heinrich-Heine-Buchhandlung schlug Alarm

Die Beamten konfrontierte er noch mit einem weiteren ungewöhnlichen Kriminalfall. Das Opfer: wieder er selbst. Der Schaden: noch größer. Die Täter: Leergut-, möglicherweise auch Metalldiebe. Die Unbekannten plünderten Montagnacht und -morgen das mit Bauzäunen gesicherte Lager, in dem Siewerts Leute an der Bushaltestelle Viehofer Platz die leeren 50-Liter-Bierfässer vom Wochenende gesichert hatten: „Als die Diebe auch am Morgen noch Fässer in ein Taxi räumten, alarmierten Mitarbeiter der Heine-Buchhandlung die EMG.“

Die Täter hatten 50 Edelstahlfässer mitgehen lassen. Der Pfandwert jedes einzelnen Behälters: 30 Euro.