Essen

Trotz Hartz 4: Schulfreunde aus NRW führen Protz-Leben – furchtbar, womit sie es finanzieren

Geldtransporter-Bande vor Gericht in Essen

In Essen steht eine Geldtransporter-Bande vor Gericht. Auf ihr Konto gehen spektakuläre Taten.

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Essen. Wenn drei 25-jährige Jungs Luxus-Sportwagen fahren und Hartz 4 beziehen, geht das zumeist nicht mit rechten Dingen zu. Doch hinter wie vielen Gangster-Coups die drei Schulfreunde aus NRW wirklich stecken, kapierte die Polizei wohl erst, als sie die Bande hochgehen ließ.

Der Spanier Asier S., der libanonstämmige Housein El-K. und ein weiterer ehemaliger Klassenkamerad waren offiziell arbeitslos. Doch statt einen Job zu suchen, planten sie kriminelle Husarenstreiche in NRW und wurden zu Millionären.

Hartz 4: Schulfreunde-Gang lebt nach Millionen-Coups in Saus und Braus

Gemeinsam mit Komplizen, Strohmännern und Insidern erbeuteten sie, laut „Focus“ auch mit Rückendeckung eines Libanesen-Clans aus dem Ruhrgebiet, innerhalb von zwei Jahren mehrere Millionen Euro.

Am 4. Dezember 2018 wurden sie verhaftet und warten nun auf den Prozess, der ihnen im August gemacht wird.

Die Chronik der spektakulärsten Coups:

  • April 2016: Nach einem heißen Tipp eines Insiders beschattete die Bande eine Juwelierin in Mönchengladbach tagelang. Dann schlugen sie zu. Die drei bedrohten die Schmuckhändlerin, zwangen sie zurück in ihren Wagen, nahmen ihr den Koffer ab und flüchteten, nachdem sie ihr Pfefferspray ins Gesicht sprühten und ihre Reifen zerstachen. Beute: 300.000 Euro.
  • November 2016: Ein Insider, der bei einer Geldtransport-Firma im Ruhrgebiet arbeitete, steckte der Gang, dass ein Transporter in Dortmund täglich 15 Minuten unerlaubterweise für eine Mittagspause aus den Augen gelassen wird. Er besorgte der Bande einen nachgemachten Schlüssel und die jungen Gangster hatten leichtes Spiel. Vor dem Stadthaus rissen sie sich den Geldtransporter unter den Nagel. Beute: 570.000 Euro.
  • Juni 2017: Ebenfalls ein Insider, der von verschiedenen Banken bei Störfällen gerufen wurde, war im Besitz von Schlüsseln für Geld-Automaten. Einen davon spielte er der Gang zu, die eines Nachts den Bankautomat einer Postbank in Werne einfach aufschließen und leeren konnte. Beute: 254.000 Euro.
  • Dezember 2017: Ein halbes Jahr Planung investierte die Gang in ihr Meisterstück. Als Mitarbeiter eines Geldtransport-Unternehmens getarnt kündigten sie sich bei der Zentrale der deutschlandweit bekannten Supermarktkette „K+K“ als Abholer der Einnahmen an. Dank täuschend ähnlichen Outfits, einem perfekt lackierten Transporter und der Handynummer des echten Abholers wurden ihnen die Einnahmen aller Filialen eines ganzen Tages im Weihnachtsgeschäft in die Hand gedrückt. Anschließend stellte Asier S. sogar noch eine Quittung aus. Der Fall landete sogar bei „Aktenzeichen XY“. Die unglaubliche Beute: 1,8 Millionen Euro.
  • November 2018: Zusammen mit zwei Clan-Mitgliedern überfiel Housein El-K. einen Sparklub in Gevelsberg. Die drei Cousins, zwei von ihnen extra aus Berlin angereist, schnappten sich in einem ausgeklügelten Moment kurz vor der Auszahlung den Sparklub-Vorsitzenden und köpften ihm alles Angesparte ab. Beute: 75.000 Euro.

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Neben den großen Coups hatte die Schulfreunde-Gang auch eine riesige Marihuana-Plantage, die pro Ernte rund 100.000 Euro abwarf. Mit all dem erbeuteten Geld finanzierten sie sich zwei Jahre lang ein Leben in Saus und Braus – samt Mercedes AMG, Rolex-Uhr und Goldbarren.

Schweizer Ermittler brachten die Polizei in NRW schließlich auf die Spur der Bande. Die informierten die deutschen Behörden über in Deutschland lebende kriminellen Clan-Mitglieder, die in der Schweiz wegen Drogenhandels und Betrugs verurteilt waren. Einer von ihnen: Housein El-K.

Polizei jagt Bande mit Wanzen und Spitzeln

Die Polizei in NRW heftete sich an die Fersen der Bande, hörte Telefonate ab, infiltrierte die Gang mit Spitzeln, verwanzte sogar die AMGs. In einem abgehörten Gespräch erzählte Bandenchef Asier S. seiner Freundin alles, wirklich alles über seine Coups und lieferte sogar Hinweise zu den nächsten geplanten Dingern.

Für das Plündern eines Geldautomaten einer Sparkassen-Filiale in Köln hatte S. extra einen Lehrgang besucht, um die Impressionstechnik zu erlernen, mit der man ohne ein Original einen Schlüssel nachmachen kann. Laut „Focus“ waren zudem auch Überfälle auf ein Werttransport-Unternehmen in Stuttgart geplant, bei dem nachts eine ganze Wand eingerissen werden sollte.

Größenwahnsinniger Bandenchef türmt aus Haft

Der letzte Coup der größenwahnsinnigen Gang sollte ein Überfall mit Maschinenpistolen und Blendgranaten auf die Europäische Zentralbank in Frankfurt sein. Mit einer anvisierten Beute von 10 Millionen Euro wollten sich die Gangster dann nach Dubai absetzen.

Die SEK-Razzia in Düsseldorf, Recklinghausen, Marl, Ratingen, Köln und Bonn am 4. Dezember 2018 beendete die spektakuläre Serie.

Fast wäre Asier S. trotzdem davon gekommen. Der Spanier schaffte es zu türmen, als er in Essen dem Haftrichter vorgeführt wurde. Die Flucht dauerte jedoch nur wenige Stunden.

 
 

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