Trinker bekommen Bier fürs Müllpicken - Projektstart im Juni

Janet Lindgens
Es soll bereits Gespräche mit Interessenten aus der Trinkerszene geben.
Es soll bereits Gespräche mit Interessenten aus der Trinkerszene geben.
Foto: Archiv: Sebastian Konopka
Trinker mit Bier zum Arbeiten zu motivieren - das ist die Idee, die hinter "Putzen für Bier" steckt. Nach langen Diskussionen soll das Essener Projekt im Juni starten. Los geht es mit fünf Müllpickern — aber viele weitere stehen schon in den Startlöchern.

Essen. Mit dem geplanten Projekt „Putzen für Bier“ in der Innenstadt hat Essen Aufsehen erregt. Gespannt wartete man auf den Start, mit dem der Träger, die Suchthilfe, im Mai geliebäugelt hat. Doch wie Essens Sozialdezernent Peter Renzel auf Nachfrage bestätigte, müssen die verantwortlichen Gremien dem Konzept noch zustimmen.

Renzel rechnet derzeit mit einem Start Mitte Juni für das bundesweit beachtete Projekt, bei dem Süchtige aus der Trinkerszene in der City Müll aufsammeln und als „Motivation“ unter anderem mit Bier belohnt werden sollen. Vorbild ist ein Versuch aus Amsterdam, der dort schon seit längerem erfolgreich läuft und der helfen soll, Trinker zumindest zeitweise von der Straße zu bekommen.

Bier, warmes Essen und 1,25 Euro vom Jobcenter

Die Suchthilfe nennt das Projekt „Pick up“. Sie will zunächst mit fünf Reinigungskräften beginnen, so der Geschäftsführer Klaus Mucke. Gespräche mit Interessenten gebe es bereits.

Die Bereitschaft bei vielen sei groß. Im Vorfeld hatte eine Umfrage der Suchthilfe in der Trinkerszene ergeben, dass sich drei von vier Arbeitslosen wieder einen Job und damit einen geregelten Tagesablauf wünschen. Allerdings gibt es auch kritische Stimmen – nach dem Motto: „Ich räume doch nicht den Müll der anderen weg.“

Arbeitskleidung, Müllpicker und Besen stellen die Essener Entsorgungsbetriebe. Getränke und ein warmes Essen organisiert die Suchthilfe. Da es als Arbeitsgelegenheit (Ein-Euro-Job) angelegt ist, bekommen die Putzkräfte zusätzlich 1,25 Euro als Aufwandsentschädigung vom Jobcenter.