Trickdiebe versetzen Essener Schwestern in Angst

Claudia Pospieszny
Auch Tage nach dem Trickbetrug fühlt die 72-Jährige sich nicht wieder sicher. Foto: Kerstin Kokoska
Auch Tage nach dem Trickbetrug fühlt die 72-Jährige sich nicht wieder sicher. Foto: Kerstin Kokoska
Foto: WAZ FotoPool
Zwei Essenerinnen hielten dem Terror von Betrügern nicht stand. 4700 Euro zahlten sie, um dem Sohn aus vermeintlicher Not zu helfen. Vor zwei Jahren schlugen sie zwei „Enkeltrickbetrüger“ in die Flucht.

Essen. Nein, nüchtern betrachtet können die Schwestern auch drei Tage nach dem Trickbetrug nicht begreifen, „dass wir so blind sein konnten, auf zwei Trickbetrüger reinzufallen.“ Doch die Situation war alles andere als nüchtern. Mit Druck und Schreckensgeschichten versetzten die Diebe die sympathischen Frauen im Alter von 70 und 72 Jahren, die in Essen einen Laden betreiben, in Angst und Schrecken.

Am Dienstag rief einer der Männer zunächst die 70-jährige Ladenbesitzerin an. „Der Mann am Telefon hat erzählt, der Sohn meiner Schwester hätte einen Autounfall gehabt“, sagt die 72-Jährige. Nach diesem ersten Anruf erhöhten die Täter den Druck. „Der erste Schock war noch nicht vorbei, da rief jemand an und gab sich als Polizist aus. Mein Neffe sei an dem Unfall Schuld, er solle umgehend 2700 Euro zahlen. Sonst hätte es schlimme Konsequenzen.“

"Natürlich wollte meine Schwester ihrem Sohn helfen"

Dramatische Schilderungen, die die Mutter weiter in Panik versetzten, „natürlich wollte meine Schwester ihrem Sohn helfen.“ Hals über Kopf raffte die Frau ihre Ersparnisse zusammen und übergab einem vermeintlich vom Sohn geschickten Freund 2700 Euro. Eine Situation, so beschreibt die Schwester rückblickend, die nüchternes Denken nicht zuließ, „die Sorge überwog einfach.“ Der Fremde lief los mit dem Geld, die Ladeninhaberin lief aufgeregt zu einer Bekannten, „doch der kam die ganze Sache komisch vor. Und nach einem Anruf bei der Schwiegertochter war klar, dass der Sohn meiner Schwester gar keinen Unfall hatte. Also gingen sie zur Polizei“, sagt die 72-Jährige, die in der Zwischenzeit den Laden hütete – bis die Betrüger sie mit Telefonanrufen bombardierten.

„Der Mann am Telefon gab sich als mein Neffe aus und fragte immer wieder ganz hektisch und aufgeregt, ob seine Mutter noch nicht wieder zurück sei.“ Ob die 72-Jährige sich nicht wunderte über die veränderte Stimme ihres Neffen? „Wenn Sie mich heute fragen, lautet die Antwort ja: Aber das Telefon ging in einer Stunde elf Mal und der Mann war so aufgeregt. Da denkt man sich, dass die Stimme vor Aufregung eben anders klingt als sonst.“

Zu diesem Zeitpunkt konnte sie die Schwester nicht erreichen, wusste nicht, dass diese bereits bei der Polizei saß. So beschloss die 72-Jährige, der Bitte des vermeintlichen Neffen nachzugeben. „Ich wusste nicht, wann meine Schwester zurück kommt und er hat gesagt, er bräuchte das Geld sofort. Er wollte dann jemanden vorbei schicken, der die 2000 Euro abholt.“ Der angebliche Bekannte kam – und sprach kein Wort. „Ich habe ihm Fragen gestellt, aber er hat nur auf seine dicke Backe gezeigt, hat das Geld genommen und ist gegangen.“

4700 Euro hatten die Betrüger zu diesem Zeitpunkt eingestrichen – und wollten mehr. „Nach kurzer Zeit ging wieder das Telefon, mein Neffe bräuchte weitere 1000 Euro. Doch da wurde ich hellhörig und habe abgelehnt.“ Auch für die Polizei ist die Dreistigkeit, mit der die Räuber die beiden Frauen betrogen, außergewöhnlich. Und dabei ist die Geschichte noch nicht zu Ende.

„Vor zwei oder drei Jahren haben hier schon mal Trickbetrüger angerufen.“ Einer gab sich als Sohn der 72-Jährigen aus. „Er hat gesagt, er stecke in einer finanziellen Notlage, bräuchte dringend Geld und würde zwei Bekannte vorbei schicken, die es abholen.“ Zwar kamen die Trickbetrüger in den Laden der Frauen, „doch irgendwie haben sie gemerkt, dass wir ihnen das Geld nicht geben würden.“ Als die zwischenzeitlich benachrichtigte Polizei eintraf, waren die beiden über alle Berge. „Wäre es doch vor zwei Tagen nur auch so gewesen“, sagt die 72-Jährige.