Essen

Treffen mit Essener Kassiererin: Martin Schulz hat hier eine wichtige Chance vertan - ein Kommentar

Martin Schulz wird sein Versprechen halten, sagt die SPD gegenüber DER WESTEN. Doch vielleicht ist es jetzt zu spät.
Martin Schulz wird sein Versprechen halten, sagt die SPD gegenüber DER WESTEN. Doch vielleicht ist es jetzt zu spät.
Foto: Gregor Fischer / dpa

Essen. Ungeschickt. Wenn man beschreiben möchte, wie das Büro von SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz zuletzt mit einer Essenerin umgegangen ist, kann man es am besten mit eben diesem Wort: ungeschickt.

Nach einer Folge von „Anne Will“ im Januar hatte Martin Schulz der Essener Kassiererin Maurike Maaßen versprochen, dass er sie und ihre Kolleginnen besuchen will: Er werde sich ihre Probleme anhören, mit ihnen über besser Job-Bedingungen und eine gerechtere Tarifpolitik sprechen.

War all die Arbeit umsonst?

Maaßen setzte alle Hebel in Bewegung, trommelte Kollegen und Gewerkschafter zusammen, organisierte sogar Räumlichkeiten für das Treffen. Nur: Einen Termin gibt es bis heute nicht - und seit über drei Wochen hat Maaßen von der SPD gar nichts mehr gehört. Maaßen ist enttäuscht und fragt sich: Will Schulz das Treffen etwa doch nicht? War all die Arbeit, die sie neben ihrem Job geleistet hat, umsonst?

„Martin Schulz wird sein Versprechen auf jeden Fall halten“, hieß es bei der SPD auf Anfrage von DER WESTEN. „Wir haben auch viele andere Termine, das muss alles organisiert werden.“

Er könnte zeigen, dass er liefert

Verständlich. Aber: Martin Schulz könnte bei einem Treffen mit Maurike Maaßen sehr direkt und sehr öffentlichkeitswirksam mit genau den Menschen zusammenkommen, für die er kämpfen will. Hier könnte er zeigen, dass er liefert.

Warum lässt er sich diese Chance entgehen? Damit tut sich Martin Schulz keinen Gefallen, sein Büro hätte diesem Termin Priorität verleihen sollen. Im April ist der Kanzlerkandidat ohnehin auf einem Termin in Essen - eine halbe Stunde Zeit für Maaßens Anliegen wäre da sicher drin gewesen.

Der größte Fehler aber: Wochenlang meldet sich die SPD gar nicht mehr bei Maurike Maaßen - so lange, bis sie schlichtweg kurz vor der Resignation steht.

Man kann Martin Schulz glauben, dass er Maurike Maaßen tatsächlich treffen will. Dass er sich wirklich für die Belange Tausender ungerecht bezahlter Angestellter interessiert. Nur: Vielleicht hat er hier eine wichtige Chance vertan - aus Ungeschick.

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