Trauer um den fliegenden Schulmeister Fritz Herkenrath

Rot-Weiss Essens Meistertorwart wehrt das Leder ab. Am 18. April ist die RWE-Legende gestorben.
Rot-Weiss Essens Meistertorwart wehrt das Leder ab. Am 18. April ist die RWE-Legende gestorben.
Foto: verlag
Fritz Herkenrath wurde 1955 mit Rot-Weiss Essen Meister, später Nationaltorwart. Nun ist die RWE-Legende im Alter von 87 Jahren verstorben.

Essen.. Heimlich, still und leise hat sich eine Legende von Rot-Weiss Essen verabschiedet. Aus einer Todesanzeige vom Mittwoch im Lokalteil dieser Zeitung erfuhr der Klub, dass Fritz Herkenrath am 18. April im Alter von 87 Jahren in seinem Aachener Wohnort verstorben ist.

Seine Familie entschied sich bewusst dazu. Das Rampenlicht, das ihm seine eindrucksvolle Karriere als Fußball-Torwart beschert hatte, mochte Herkenrath ohnehin nie. Nach dem Ende seiner Laufbahn arbeitete er als Professor an Hochschulen in Aachen und Düsseldorf. Das brachte ihm den Spitznamen „fliegender Schulmeister“ ein.

Den Durchbruch als Fußballer schaffte der gebürtige Kölner im Trikot von Rot-Weiss Essen. Der frühere Funktionär Georg Melches holte den Schlussmann von der Bank des 1. FC Köln zur Hafenstraße. An der Seite weiterer Essener Legenden wie Helmut Rahn, August Gottschalk und Franz Islacker wurde Herkenrath im Jahr 1953 DFB-Pokalsieger und zwei Jahre später Deutscher Meister. Es waren die größten Erfolge der Vereinsgeschichte. Insgesamt stand er in 276 Pflichtspielen zwischen den rot-weissen Pfosten. „Ich habe meine beste und ruhmreichste Zeit in den Jahren im Ruhrgebiet verbracht und zwar bei Rot-Weiss Essen. Das vergesse ich nie“, erklärte Herkenrath vor einem Jahr.

Südamerika-Reise mit RWE statt Weltmeisterschaft in der Schweiz

Der Verein lag ihm so sehr am Herzen, dass er sogar freiwillig auf eine WM verzichtete. Sepp Herberger hatte ihn 1954 vor dem Turnier in der Schweiz in den erweiterten Kader der deutschen Nationalmannschaft berufen. Herkenrath sagte ab, weil er mit Rot-Weiss Essen an einer Süd- und Nordamerikareise teilnehmen wollte. Deutschland wurde Weltmeister. Herkenrath genoss die neunwöchige Rundfahrt mit seinem Herzensverein trotzdem. So werden Vereinslegenden geboren.

Entsprechend groß ist nun die Trauer in Essen: „Die Nachricht vom Tod Fritz Herkenraths hat uns tief getroffen“, sagt RWE-Präsident Dr. Michael Welling. „Er ist als fliegender Schulmeister nicht nur in die Essener, sondern auch in die Deutsche Fußballgeschichte eingegangen.“

Seine Zeit im Nationalteam begann nach dem Triumph in Bern. Herberger ernannte ihn zum Nachfolger von Toni Turek. Herkenrath kam auf 21 Länderspiele und war bei der WM 1958 Stammtorwart. Das Aus im Halbfinale gegen Gastgeberland Schweden konnte er trotz einer starken Leistung nicht verhindern.

In Essen ist sein Heldenstatus auch ohne WM-Titel unantastbar. Im Heimspiel gegen Rot-Weiß Oberhausen (Samstag, 14 Uhr) will der Verein einem seiner ganz Großen mit einer Schweigeminute die letzte Ehre erweisen.

 
 

EURE FAVORITEN