Totschlagsprozess in Essen - Späte Sühne für brutale Tat

Auf zwölf Jahre Haft für Taleb Z., hier mit seinem Verteidiger Rudolf Esders (r.), erkannte das Essener Schwurgericht. Foto: Oliver Müller
Auf zwölf Jahre Haft für Taleb Z., hier mit seinem Verteidiger Rudolf Esders (r.), erkannte das Essener Schwurgericht. Foto: Oliver Müller
Foto: WAZ FotoPool

Essen.. Späte Sühne für eine brutale Tat. Fast 20 Jahre nach dem Tod der 24 Jahre alten Martina Z. verurteilte das Essener Schwurgericht ihren Ehemann Taleb Z. zu zwölf Jahren Haft wegen Totschlags. Der heute 46-Jährige war nach der Tat in den USA untergetaucht.

1986 flüchtete er aus dem Libanon nach Deutschland. Kurz darauf lernte er die Katernbergerin Martina R. kennen. Die beiden heirateten, bekamen zwei Kinder. „Es war keine Scheinehe, aber die Vorstellungen beider von der Ehe stimmten nicht überein“, betonte Schwurgerichtsvorsitzender Andreas Labentz. Taleb Z. stand für eine konservative Ehe, Martina Z. wollte auch alleine ausgehen, wollte selbst arbeiten. Sie stritten oft. Als sie im Mai 1992 mit ihrer Mutter in einer Gaststätte nachts Muttertag feierte, eskalierte der Konflikt. Er holte sie aus der Kneipe, schlug ihr die Faust ins Gesicht.

Konflikt eskalierte nach Muttertag

Sie verließ ihn, verlangte die Scheidung, wollte die Kinder behalten. Bei der Geburtstagsfeier für eines der Kinder kamen sie am 23. Mai wieder zusammen, waren anschließend allein in der Wohnung. Taleb Z., so hatte er selbst eingeräumt, stach mit einem Küchenmesser auf seine Ehefrau ein. 30 Stich- und Schnittverletzungen zählte der Rechtsmediziner, sieben allein im Rücken. Anschließend würgte der Angeklagte die Tote.

Taleb Z. hatte direkt danach mit den Kindern Essen verlassen. In Amsterdam traf er Landsleute, die seine Kinder in den Libanon brachten. Er selbst setzte sich nach Amerika ab, lebte illegal in den USA. Als seine Tochter 2011 heiraten wollte, stellte er sich den Behörden, um abgeschoben zu werden und an der Feier teilzunehmen. Doch die US-Polizei wusste vom internationalen Haftbefehl.

An acht Prozesstagen seit dem 17. Oktober ging es um die juristische Einordnung der Tat. Staatsanwalt Marcus Schütz forderte 15 Jahre Haft für Totschlag. Die Nebenklageanwälte, die Mutter und Brüder der Getöteten vertraten, sahen sogar einen Mord aus niedrigen Beweggründen und wollten den Angeklagten lebenslänglich im Gefängnis sehen. Verteidiger Rudolf Esders, zur Tatzeit selbst Schwurgerichtsvorsitzender, sah dagegen die Einlassung seines Mandanten als unwiderlegt an: Dieser sei von Martina Z. mit dem Messer angegriffen worden. Nicht mehr als vier Jahre Gefängnis für einen Totschlag im minder schweren Fall forderte Esders.

 
 

EURE FAVORITEN