Essen

Thyssenkrupp: Übernahme aus England? So soll das Land NRW den Konzern nun retten

Die Hüttenwerke Krupp Mannesmann In Duisburg.
Die Hüttenwerke Krupp Mannesmann In Duisburg.
Foto: Funke Foto Services

Essen. Thyssenkrupp ist angeschlagen, besonders die Stahlsparte steht seit einiger Zeit nicht mehr gut da. Ein britischer Investor hatte dem Essener Konzern ein Übernahmeangebot gemacht.

Doch Thyssenkrupp äußert sich nun erstmals eindeutig zu diesem Angebot von Liberty Steel.

Übernahme von Thyssenkrupp? Jetzt bezieht der Konzern Stellung

Und hat möglicherweise schon ein ganz anderes Angebot im Köcher.

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Der Inhaber des britischen Konzerns Liberty Steel, Sanjeev Gupta, sieht die europäische Stahlindustrie in einer schwierigen Situation. Gupta, dessen Unternehmen ein Angebot für die Stahlsparte von Thyssenkrupp abgegeben hatte, sagte Ende Oktober: „Die Werke sind nicht ausgelastet und die Klimabilanz der Branche ist alles andere als gut. Deshalb müssen wir Stahl möglichst schnell CO2-neutral produzieren. Das treibt mich an, als Familienvater und Unternehmer. Gemeinsam mit Thyssenkrupp können wir das deutlich besser und früher erreichen.“

Doch anscheinend will man bei Thyssenkrupp von dem Angebot nichts mehr wissen, es sei zu "blumig".

Thyssenkrupp prüft Angebot, aber es sei zu "blumig"

Jürgen Kerner, stellvertretender Aufsichtsrats-Chef von Thyssenkrupp, lehnt das Übernahmeangebot von Liberty Steel ab (Stand Ende Oktober): „Vorstand und Aufsichtsrat werden das Angebot von Liberty Steel ernsthaft prüfen. Aber ich kann weder das industrielle Konzept noch eine überzeugende Finanzierung erkennen“, sagte Kerner. „Wie will Liberty Steel das Geld aufbringen, um Standorte zu sichern und auf grünen Stahl umzurüsten? Das Angebot ist medienwirksam abgegeben worden, aber doch sehr blumig.“

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Neuer Investor scheint gefunden zu sein

Sanjeev Gupta von Liberty Steel kann diese Bedenken verstehen. „Auf unserem bisherigen Weg haben wir alle Veränderungen immer gemeinsam mit den Mitarbeitern erreicht. Das ist mir wichtig und das wird auch bei Thyssenkrupp so sein.“ Gupta brachte es auf die Formel: „Mit einem Zusammenschluss verbessern wir die Auslastung auf beiden Seiten und sichern so Arbeitsplätze.“

Doch nun scheint Liberty Steel vom Tisch zu sein, ein anderer Großinvestor steht auf der Matte. Und dabei handelt es sich um niemand Geringeren als den deutschen Staat.

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Krupp während des Zweiten Weltkrieges

  • Gustav Krupp von Bohlen und Halbach wollte zunächst nichts von den Nazis wissen
  • Hitler schwärmte von dem Unternehmen
  • Krupp ließ Panzer, U-Boote, Waffen für Zweiten Weltkrieg produzieren
  • Allierten wollten deutschen Waffenlieferanten zerstören
  • Stadt Essen wurde deswegen zu 90 Prozent zerbombt

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Fünf Milliarden Euro Hilfspaket soll geschnürt werden

Wie das Handelsblatt berichtet, soll ein Hilfspaket von rund fünf Milliarden Euro im Raum stehen. So wolle man die angeschlagene Stahlsparte retten. Zuletzt hatte auch NRW Ministerpräsident Armin Laschet die Stahlsparte in Corona-Zeiten als systemrelevant bezeichnet.

Die SPD in NRW will den Einstieg des Staates nun durch einen Landtagsbeschluss vorantreiben. Das berichtet die WAZ. Die Partei wolle das Land NRW auffordern, mindestens 25 Prozent am Unternehmenskapital von Thyssenkrupp zu erwerben.

So könnte eine mögliche Übernahme aus dem Ausland verhindert werden. Wie es mit Thyssenkrupp endgültig weitergeht, wird sich in der kommenden Zeit wohl erst entscheiden. (fb/dpa)