Thomas Glup führt mit Humor durchs Essener Rathaus

In seinem Element: Rathaus-Führer Thomas Glup im Essener Ratssaal.
In seinem Element: Rathaus-Führer Thomas Glup im Essener Ratssaal.
Foto: FUNKE Foto Services
Tagsüber ist er Beamter, abends Entertainer. Schauspieler Thomas Glup zeigt bei Führungen „sein“ Rathaus - inklusive politischer Spitzen und viel Selbstironie

Essen.. Adventliche Abendführung nennt sich die Reihe, in der Thomas Glup durch das Rathaus führt. Besinnlich ist es weniger, dafür umso amüsanter. Denn Glup ist nicht nur Angestellter der Stadtverwaltung, sondern auch Schauspieler und Entertainer im hauseigenen Theater.

Eine kuriose Mischung, wie er selbst zugibt. „Mit sieben Jahren fing ich mit dem Theaterspielen an, 1987 habe ich dann mein eigenes Theater – Glups Revierbühne – gegründet“, erzählt der gebürtige Essener. „Gleichzeitig habe ich Jura studiert und bin so bei der Stadt gelandet.“ Doch ein Leben am Schreibtisch war ihm nicht genug. Seitdem steht er abends als Moderator, Schauspieler und Unterhalter, als Willi Winzig und Heinz Erhardt, auf der Bühne. Oder er führt durch seinen Arbeitsplatz – auf ganz eigene Art und Weise.

Ob im Ratssaal, beim Wappen, dem Stadtnamen oder beim Läuten der Ratsglocke: Für viele der rund 70 Besucher sind die interessanten wie sonderbaren Infos neu. Etwa, dass das aktuelle Rathaus bereits das vierte in der Essener Geschichte ist. Das erste wurde im Jahr 1483 gebaut. Heute hat die Stadt das höchste begehbare Rathaus Europas mit 23 Etagen.

Dabei deckt Thomas Glup Kuriositäten auf, die nicht jeder kennen dürfte. Zum Beispiel wird die Seife für die Toiletten aus dem Keller bis unters Dach in die Spender geschossen - für Glup ein Zeichen, dass „sich hier wenigstens etwas bewegt“.

Mit charmanten Sprüchen nimmt er das Rathaus, dessen Tücken und Angestellte aufs Korn. Er erzählt vom dritten Rathaus, das Anfang der 1960er Jahre zugunsten eines Wertheim-Kaufhauses abgerissen wurde, das inzwischen längst ebenfalls wieder weg ist. Ganze 15 Jahre hatte die Stadt dann gar kein Rathaus. Dann ist da ein Hubschrauberlandeplatz, der aus technischen Gründen nicht genutzt werden kann. Auch Anekdoten über gewisse Ratsherren werden untergemischt – natürlich anonym. Dabei beweist Glup viel Selbstironie und macht Witze über den Ruf der schwerarbeitenden Beamten.

Höhepunkt der Führung ist der Blick aus dem 22. Stock über Essen in der Dunkelheit. Während sich das Riesenrad auf dem Weihnachtsmarkt dreht, können die Besucher in alle Himmelsrichtungen die Stadt von oben erkunden. Dabei gibt’s Geschichte: über die„unzerstörbare“ Alte Synagoge, die Kettwiger Straße als erster Fußgängerzone Deutschlands und das „grüne“ Essen. Und Glup entführt die Besucher zurück in die Zeit der Krupps und der Industriekultur.

Für Glup ist Essen „eine großartige Stadt mit einer spannenden Geschichte“. Und das merken die Zuschauer. Der Schauspieler lässt die Besucher an seiner Liebe zur Stadt für zwei Stunden teilhaben.

 
 

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