Teuerster Schlüssel der Welt wird in Essen veredelt

Jennifer Schumacher
Labyrinth heißt dieses Modell, in dem sich die Brillanten bewegen lassen. 88.000 Euro kostet einer - Zylinderschloss, Beratung und Einbau inklusive natürlich. Vor allem gut betuchte Kunden aus dem arabischen und russischen Raum sind Abnehmer der Edel-Schlüssel. Foto: Remo Bodo Tietz
Labyrinth heißt dieses Modell, in dem sich die Brillanten bewegen lassen. 88.000 Euro kostet einer - Zylinderschloss, Beratung und Einbau inklusive natürlich. Vor allem gut betuchte Kunden aus dem arabischen und russischen Raum sind Abnehmer der Edel-Schlüssel. Foto: Remo Bodo Tietz
Bis zu 87.000 Euro legen Millionäre für den teuersten Schlüssel der Welt auf den Tisch. Die Velberter Traditionsfirma CES hat den komplett neuen Markt mit ihrem Edelschlüssel geöffnet - und sich zwei findige Schmuckdesignerinnen aus Essen mit ins Boot geholt.

Essen/Velbert. Ein wörtlich zu nehmendes Schlüsselerlebnis brachte Bernd Becker auf die Idee: Beim Surfen im Internet stieß er zufällig auf ein 200.000 Euro teures Handy, besetzt mit Diamanten. „Das geht doch auch mit Schlüsseln“, dachte sich der Vertriebsleiter der Velberter Zylinderschlossfabrik Carl Eduard Schulte, kurz CES, damals.

Ein gutes Jahr später haben die beiden Essener Goldschmiedemeisterinnen Julia Steinhoff und Kirstin Jankowski aus dem verrückten Einfall einen Luxusartikel gemacht - für den Kunden bis zu 87.000 Euro auf den Tisch legen. Wer so etwas kauft? „Vor allem Kunden aus dem russischen, arabischen und asiatischen Raum“, sagt Becker. Millionäre, Oligarchen, eben jene Käufer, für die Geld keine Rolle spielt. Was funkelt, teuer und zudem noch nützlich ist, kommt bei den Kunden aus der Schicht der oberen Zehntausend an.

König unter den Hütern der Privatsphäre

Denn im Gegensatz zum einfachen Bruder aus einer Hartmetalllegierung wird der König unter den Hütern der Privatsphäre mit Platin, Rot- oder Weißgold und Diamanten veredelt. Das war auch für die beiden Goldschmiedemeisterinnen Julia Steinhoff und Kirstin Jankowski ein besonderes Experiment. Seit acht Jahren sitzen die beiden mit ihrem Laden „Zwei machen Schmuck“ am Rüttenscheider Markt. „Wir sind ja kein Edel-Juwelier, deswegen war das auch für uns etwas Besonderes, mit solchen Materialien zu arbeiten“, sagt Kirstin Jankowski. Ihr „Zubehör“ beziehen sie von einem Edelsteinhändler, der sich auf der weltweit größten Diamant-Börse in Antwerpen eindeckt. „Ein sehr verschwiegenes Geschäft“, sagt Steinhoff, die mit ihrer Kollegin auf zertifizierte Steine Wert legt. So soll verhindert werden, dass Diamanten aus Krisengebieten verarbeitet werden.

Steinhoff und Jankowski sehen sich zwar nicht als „noble“, dafür aber als äußerst experimentierfreudige Schmuck-Schmiede. So fertigten die beiden schon Kreuze und Ringe für eine RTL-Filmproduktion und erfüllen häufig verrückte Kundenwünsche. Jankowski und Steinhoff arbeiten ausschließlich nach eigenen Entwürfen, haben beide eine Zusatzausbildung als staatliche geprüfte Gestalterinnen absolviert. Beim Design der Schlüssel hatten die beiden folgerichtig völlig freie Hand. Entstanden sind drei verschiedene Modelle, die in limitierter Auflage verkauft werden. Band, Kreis und Labyrinth sind die drei verschiedenen Formen, letztere wird nur neun Mal hergestellt. Für Millionäre mit Langeweile lassen sich die Steine innerhalb des Schlüssels sogar bewegen.

Schließtechnik in Jacht von Abramovich eingebaut

Die „günstigste“ Variante, das Band, gibt es ab 55.000 Euro. Darin ist immerhin der passende Zylinder enthalten. „Im Preis sind maßgefertigter Einbau und Beratung natürlich inbegriffen“, sagt CES-Vertriebsleiter Bern Becker. Dafür fliegen seine Kollegen auch schon mal nach Südamerika. Denn den Sicherheitsanforderungen müssen die Schlüssel trotz hochkarätiger Materialien natürlich noch gerecht werden. Dank seiner Spezialisierung auf ausgeklügelte Sicherheitstechnik pflegt das 1840 gegründete Velberter Unternehmen ohnehin Kontakte zur „Upper Class“. So baute CES etwa die komplette Schließanlage in die Jacht des russischen Oligarchen Abramovich ein. Vielmehr Informationen zu seinen Kunden lässt sich Becker aber nicht entlocken - mit verschlossenen Türen kennt er sich schließlich aus.