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Tempelbomber-Prozess: Deshalb geht Yusuf T. nun doch nicht in Revision

Tempelbomber-Prozess: Deshalb geht Yusuf T. nun doch nicht in Revision

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Der Sikh-Tempel in Essen nach dem Anschlag: Als Yusuf T. und sein Freund den Sprengsatz warfen, fand hier gerade eine Hochzeit statt. Foto: KDF

Essen. 

Yusuf T., der Hauptangeklagte im Tempelbomberprozess, hat mittlerweile akzeptiert, dass er für sieben Jahre ins Gefängnis geht. Nach Aussage seines Anwalts Burkhard Benecken hat der 17-Jährige die Revision abgelehnt. Der Grund dafür soll unter anderem seine „Abkehr vom Salafismus“ – er führe hinter Gittern nun ein ganz anderes Leben.

Im Knast soll Yusuf T. mittlerweile seine Mittlere Reife nachgeholt haben, im Januar 2018 stehen die Abschlussprüfungen an. Anschließend wolle er sein Abitur nachholen und möchte nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis sogar studieren. Und zwar: Jura.

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Benecken sagt außerdem, dass Yusuf T. von den 30 Hauptverhandlungstagen psychisch so mitgenommen worden sei, dass er das Leben im Gefängnis und das angenommene Urteil als Erleichterung empfinde. Es sei „ein Licht am Ende des Tunnels“. Noch einen Revisionsprozess würde er nach eigenen Aussagen nicht durchstehen.

Beethoven in der JVA

Im Gefängnis befasst sich Yusuf T. laut Benecken nun nicht mehr mit Salafismus, sondern besucht ein Aussteigerprogramm. Dort habe er sich auch bereits gefestigt. Aufgrund seines „vorbildlichen“ Verhaltens im Gefängnis ist es dem 17-Jährigen gestattet, mehrere Stunden täglich Klavier zu spielen. Am liebsten spiele er Beethoven.

Sollte sich Yusuf T. weiter so gut in der JVA zeigen, besteht laut Gericht die Möglichkeit, dass er schon bald in den offenen Vollzug wechseln kann. Und auch eine vorzeitige Entlassung sei möglich. Solange er weiterhin an sich arbeitet und im Aussteigerprogramm und vom Gefängnispsychiater gut bewertet werde.

Im April 2016 hatte Yusuf T. mit zwei weiterern Jugendlichen eine Bombe auf den Sikh-Tempel in Essen geworfen.