Essen

„Tempel-Bomber“ Yusuf T.: „Das war paranoider Wahnsinn“

Der Sikh-Tempel in Essen nach dem Anschlag.
Der Sikh-Tempel in Essen nach dem Anschlag.
Foto: dpa/Archivbild
  • Im April hat Yusuf T. laut Anklage einen Sprengsatz auf einen Sikh-Tempel in Essen geworfen
  • Bald steht er dafür vor Gericht
  • Von seinen radikal-salafistischen Ansichten distanziert sich der 17-Jährige nun komplett

Essen. „Das war paranoider Wahnsinn“: Das sagt Yusuf T. laut seinem Anwalt Burkhard Benecken heute über das, an das er offenbar noch vor einem halben Jahr fest geglaubt hat.

Innerhalb weniger Jahre war er zu einem radikalen Salafisten geworden. Trauriger Höhepunkt dieser Entwicklung: Ein Sprengstoffanschlag. Zusammen mit einem Freund soll er im April 2016 einen Sprengsatz auf einen Tempel der Sikh-Gemeinde in Essen geworfen haben. Drei Menschen wurden dabei verletzt, ein Priester der Gemeinde schwer.

„Ich sehe eine deutliche Entwicklung“

Dafür muss sich Yusuf, der die Tat wenige Tage später gestanden hatte, bald vor Gericht verantworten. Am 7. Dezember startet der Prozess am Essener Landgericht.

Sein Anwalt Burkhard Benecken sagt: „Yusuf bereut die Tat zutiefst.“ Er habe sich vollständig von seinen alten Ansichten getrennt. „Ich sehe da eine deutliche Entwicklung bei Yusuf.“

Anfangs sei es ein wenig schwierig gewesen, inzwischen zeige sich sein Mandant sehr offen. Er wolle explizit, dass Benecken seine Geschichte an die Öffentlichkeit bringe.

„Das ist sehr ungewöhnlich. Andere Mandanten mit ähnlichen Geschichten wollen fast nie Öffentlichkeit“. Es sei seinem Mandanten wichtig, zu zeigen, dass er sich von seinen Taten und Ansichten distanziere.

Priester der Sikh-Gemeinde tritt wohl als Nebenkläger auf

Als Nebenkläger wird wahrscheinlich der schwerverletzte Priester der Sikh-Gemeinde auftreten. Bei ihm hat sich Yusuf inzwischen per Brief entschuldigt.

Weder der Sikh-Geistliche noch sein Anwalt waren am Donnerstag für eine Stellungnahme zu erreichen.

Benecken rechnet mit einer nicht besonders hohen Strafe für seinen Mandanten, der gerade erst 17 Jahre alt geworden ist. „Die Erfahrung zeigt, dass lange Jugendstrafen gerade bei so jungen Menschen eher kontraproduktiv sind.“

Die zu Beginn hohe abschreckende Wirkung lasse bald nach. „Und dann geraten sie im schlimmsten Fall nur in kriminelle Kreise.“

Mehr zum Thema:

Sikh-Anschlag in Essen: „Mama, das waren wir.“ Wie mein Sohn zum Salafisten wurde

 
 

EURE FAVORITEN