Tanzschule Lentz lädt Demenzkranke und Angehörige zum Schwofen ein

Markus Grenz
Ingo Behr von den Diakoniestationen Essen und Thomas Püttmann-Lentz, Inhaber der Tanzschule Lentz, laden Erkrankte und Angehörige ein Mal monatlich zum Schwofen.
Ingo Behr von den Diakoniestationen Essen und Thomas Püttmann-Lentz, Inhaber der Tanzschule Lentz, laden Erkrankte und Angehörige ein Mal monatlich zum Schwofen.
Foto: WAZ FotoPool
Wie komme ich heraus aus den eigenen vier Wänden, wenn mein Partner oder ich selbst an Demenz leidet? In Essen bestreiten jetzt die Diakoniestationen und die Tanzschule Lentz neue Wege und laden Angehörige und Erkrankte ein Mal im Monat zum Schwof in die Schule.

Essen. Kann ich mit meinem, an Demenz erkrankten, Partner am öffentlichen Leben außerhalb einer Betreuungseinrichtung teilnehmen? Und ob, sagen dazu die Diakoniestationen Essen und die Frintroper Tanzschule Lentz. Gemeinsam bieten sie ab Ende Juni regelmäßig einen Nachmittag in Tanzhaus-Atmosphäre in den Räumlichkeiten der Schule an – ein Angebot, dass es so in Essen noch nicht gibt.

„Es richtet sich an Menschen mit Demenz und ihre Freunde, Partner oder anderen Angehörigen. Wir möchten die gerne aus ihrer Isolation herausholen und sie am öffentlichen Leben teilhaben lassen“, schildert Ingo Behr, Koordinator des Fachbereich Demenz bei den Diakoniestationen: „Das dürfte im Ruhrgebiet einmalig sein.“

Viele alte Hits

Einmal monatlich sollen die Erkrankten mit mindestens einer Bezugsperson in den Räumlichkeiten der Tanzschule an der Frintroper Straße schwofen, wie sie es aus ihrer aktiven Zeit kennen. „Die Tanzschule ist der Ort, an dem das Tanzen für die meisten Menschen begonnen hat“, stellt Ingo Behr fest.

Selbstverständlich sei das keineswegs: Mit einer Demenzerkrankung bauen sich Hemmschwellen auf. „Die Erkrankten benehmen sich unorthodox und nicht immer gesellschaftskonform, so ziehen sie und auch ihre Angehörigen sich zurück“, berichtet Ingo Behr. Abgestempelt und ausgegrenzt fühle man sich häufig.

Im Paket steckt indes mehr, als „nur“ die Integration. „Der therapeutische Aspekt ist nicht zu unterschätzen. Tanzen ist Gedächtnis- und Koordinationstraining“, erläutert Tanzschulen-Inhaber Thomas Püttmann-Lentz, der seit vielen Jahren mit geistig und körperlich Behinderten zusammenarbeitet und auch tänzerische Gymnastik-Angebote für Senioren durchführt.

Termine sind bis Dezember fix

„Seine“ Stunden will er frei gestalten; je nachdem, wie seine Gäste so gestimmt sind. „Natürlich werden wir ganz viele alte Lieder spielen.“ Anleiten wird er zu Kreis-, Gruppen- oder Paartänzen, je nachdem, wie das Ganze funktioniert.

Ob es funktioniert, wissen die Beteiligten auch noch nicht. Die Aktion, die gefördert wird von dem Diakonischen Werk Rheinland, ist zunächst mal ein Versuchsballon. Die Termine sind bis Dezember fix. „Das Thema wird in Zukunft immer vordringlicher“, ist Behr Angesichts von 9000 erkrankten Menschen in Essen mit stetig steigender Wachstumsrate überzeugt. Und warum ist man dann mit dem Angebot in Essen und darüber hinaus Vorreiter? Thomas Püttmann-Lentz: „Weil sich da keiner herantraut.“