Mittendrinn im Rüttenscheider Nachtleben

Jennifer Schumacher
Gastronom Stefan Romberg: „Ich bin Rüttenscheider, nicht Essener.“ Foto: Alexandra Umbach
Gastronom Stefan Romberg: „Ich bin Rüttenscheider, nicht Essener.“ Foto: Alexandra Umbach
Foto: WAZ FotoPool

Essen. Eine Kneipe zwischen Alm und Eule eröffnen? Wurde Gastwirt Stefan Romberg anfangs belächelt, hat sich das Mittendrinn mittlerweile fest in der Rüttenscheider Gastronomie etabliert. Das ist nicht nur dem doppelten „n“ zu verdanken.

Er sagt von sich selbst, er sei „Rüttenscheider, nicht Essener“: Als Gastwirt Stefan Romberg vor vier Jahren das Mittendrinn an der Klarastraße eröffnete, belächelte ihn sogar der für seine Offenheit bekannte Kneipen-Dino Hannes Schmitz. Zwischen Institutionen wie der Eule und der Alm eine neue Kneipe aus der Taufe zu heben, hielten viele für eine Schnapsidee. „Sie können ihren Namen ja nicht mal richtig schreiben“, raunzte ihn damals eine ältere Dame an. Dabei war und ist das doppelte „n“ Absicht. Daran stört sich heute keiner mehr: Nicht nur der gebürtige Hagener Romberg hat sich in Rüttenscheid integriert. Auch sein „Kneiporant“ ist tatsächlich in der Mitte angekommen.

Nachdem er von 2004 bis 2007 den Löwen in der Essener Innenstadt führte, wurde es Zeit für etwas Neues. Eine Kombination aus Restaurant und Kneipe für alle Generationen war das ehrgeizige Ziel des damals 28-Jährigen. „Ich wollte keine versnobte Bar. Die Einrichtung ist schlicht aber zum Wohlfühlen, die Küche mit Gerichten wie Schnitzel, Flammkuchen und Currywurst sehr bodenständig“, erklärt Romberg sein Konzept. Außergewöhnlich ist hingegen die Whisky-Karte: 40 Sorten, größtenteis aus Schottland, hat das Mittendrinn im Programm. „Das hat sich aber eher aus meinem persönlichen Hobby heraus entwickelt“, sagt er.

Von der Wirtschaft in die Wirtschaft

Über einen Getränkelieferanten erfuhr er von der leerstehenden Immobilie in Rüttenscheid. Mehr als 20 Jahre war dort ein griechisches Restaurant zuhause, dessen Überreste erst einmal entfernt werden mussten. Verspielter Stuck und veraltete Bausubstanz brachten Romberg und seine Helfer ziemlich ins Schwitzen. Mit einem gelungenen Einstand ebnete er sich dann wohl den Weg ins Nachtleben, wie er sich erinnert: „Ich habe freitags den Mietvertrag unterschrieben. Am darauf folgenden Rosenmontag haben wir die erste Party mitten in der Bauruine gefeiert.“

Dabei ist Romberg ein klassischer Quereinsteiger. Nach Lehre zum Bürokaufmann und BWL-Studium merkte er schnell, dass es ihn eher „von der Wirtschaft in die Wirtschaft“ zieht. Diese Entscheidung wurde von seinen Stammgästen in diesem Jahr mit dem „Rü-Award“ für die beste Kneipe quittiert, der Königsklasse des Rüttenscheider Gastronomiepreises.

„Rüttenscheid nicht in Entwicklung stoppen“

Um Gäste anzulocken, setzt der 32-Jährige auch auf außergewöhnliche Aktionen: Seit drei Jahren hat sich der Sonntagsbrunch etabliert, bei dem jeder zahlen kann, was er möchte. Am 3. September steht eine Poolparty mit Kinderplanschbecken ins Haus, im Januar soll - gern bei Schnee - angegrillt werden. „Man muss sich eben immer etwas einfallen lassen“, sagt Romberg. Dabei ist er nicht nur hinterm Tresen, sondern auch im Internet ein fleißiger Netzwerker.

Als Bezirksbürgermeister Roy den ersten Vorstoß wagte, die Außengastronomie zu beschränken und im Christinenpark zu vereinheitlichen, machte Romberg bei Facebook mobil. Mehr als 2000 Menschen haben sich seiner Gruppe „Pro Außengastronomie Rüttenscheid“ mittlerweile angeschlossen. „Ich tue das für den Stadtteil, der immer weiter wächst und darin nicht beschränkt werden sollte. Den Kuchen teilen wir Gastronomen untereinander auf. Aber wir haben natürlich alle Interesse daran, dass dieser Kuchen größer wird“, sagt Stefan Romberg.