Hotel Shanghai kehrt mit Clubkonzerten zurück zu den Wurzeln

Jennifer Schumacher
Das Elektropop-Projekt Pollyester
Das Elektropop-Projekt Pollyester
Foto: Benjamin Gerull
Mit Konzerten kehrt das Hotel Shanghai zu den Wurzeln zurück – und gewinnt Senkrechtstarter wie Pollyester, Wanda und Philipp Dittberner.

Essen.  Das Hotel Shanghai ist seit jeher Projektionsfläche seines exzentrischen und experimentierfreudigen Gründers: Kay Shanghai – seines Zeichens Künstler und „Musikbesessener“, wie er von sich selbst sagt. Seit ein paar Monaten kehrt der Club an der Steeler Straße „zu seinen Wurzeln zurück“, sagt Shanghai. Der hat sichtlich Freude daran, seinen Besuchern wieder Lust auf neue Musik zu machen. Dafür gewinnt er immer häufiger Bands, die vom Feuilleton ebenso gefeiert werden wie von einer musikinteressierten Szene, die Klänge nicht in Schubladen packt.

Der Auftritt der Indie-Band „Wanda“ im Februar etwa, deren Wiener Schmäh in Kombination mit morbiden Texten und eingängigen Melodien sie längst über Österreichs Grenzen bekannt gemacht haben, war binnen weniger Wochen ausverkauft. Mit Pollyester ist an diesem Wochenende (heute, 14. März, 23 Uhr, 10 Euro) ein absolut hörenswertes Münchener Elektro-Pop-Projekt zu Gast, das die Süddeutsche Zeitung „zwischen Las Ketchup und Kraftwerk, Chicks on Speed und Daft Punk“ einordnet.

Freiraum ohne Dogma Konzerte zu veranstalten

Einordnen, einer gewissen Zielgruppe gefallen – all das will Kay Shanghai nicht: „Leute fragen mich häufig, was für eine Art von Band es ist – denen sage ich dann ,hör’s dir an’. Ich habe mir den Freiraum erkämpft, ganz ohne Dogma Konzerte zu veranstalten. Das macht mich sehr glücklich“, sagt der Clubbetreiber. Ob gewollt oder nicht – eine Nase für unangepasste Senkrechtstarter hatte er schon immer. Deichkind spielten bereits in dem Club, als „Krawall und Remmidemmi“ noch nicht der Soundtrack einer genervten Wohlstandsgeneration war. „Wir haben früher fast jeden Samstag Konzerte veranstaltet, da würde ich gerne wieder hin“, sagt Shanghai.

Die nächsten Wochen klingen dahingehend vielversprechend: Am 28. April kommt Radioliebling Philipp Dittberner im Rahmen der Banditendisko von seiner „Wolke vier“, die ihn in Nullkommanix in die deutschen Singlecharts katapultierte, kurz für ein Konzert herunter. Auch mit Erobique, Keyboarder und Komponist (u.a. für die Serie Tatortreiniger und das Hamburger Schauspielhaus) gibt es ein Wiedersehen, zu dem er den DJ, Produzenten und Geschäftsführer des Folkwang-Instituts für Populäre Musik, Hans Nieswandt, direkt mitbringt.

Hinter all den Bemühungen, ein Booking auf die Beine zu stellen, das man eben nicht überall findet, stecke auch, „Essen wieder zurück auf die Landkarte zu bringen“, sagt Shanghai, der nicht verschweigt, dass es mitunter Überredungskunst braucht, angesagte Bands ins Revier zu locken. „Köln, Hamburg, Berlin sind erstmal angesagt, leider. Wer dann aber einmal in Essen gespielt hat, ist immer positiv überrascht – vom Publikum und von der Stadt“, hat Shanghai beobachtet. Niemand geringeres als Achtziger-Ikone Boy George machte ihm beim Auftritt im vergangenen Jahr ein großes Lob: „Mensch, dieser Laden hat etwas von den kleinen Clubs in New York“, soll der gesagt haben. Chapeau.