Goldgrube Goldbar

Stefan Kober
Mitarbeiterin Anja und Goldbar-Chef Patrick Sokoll. Foto: Walter Buchholz
Mitarbeiterin Anja und Goldbar-Chef Patrick Sokoll. Foto: Walter Buchholz
Foto: WAZ FotoPool

Essen. Bier aus aller Herren Länder, dafür keine Speisen. Urig-alternatives Design. Das Mobiliar so bunt gemischt wie das Publikum - irgendwo zwischen Kiez und Szene. Die Goldbar will einfach nur Kneipe sein – den Stil darf jeder für sich selbst definieren.

Wäre es nach seinen Eltern gegangen, wäre alles ganz anders gelaufen: „Eigentlich sollte ich Beamter werden“, erinnert sich Patrick Sokoll. Stattdessen folgten eine Ausbildung zum Grafik-Designer, eine Zeit als Reporter bei Radio Neandertal, acht Jahre im Second Hand-Geschäft „Amsterdam“, Schauspielstudium, Gastronom in der Goldbar – soweit die Kurzform.

Das rote Plüschsofa unter dem riesigen Wandspiegel ist Sokoll liebstes Plätzchen in seiner Bar, die voll gestellt ist mit Nippes und alten Möbeln. „Manches hat sogar antiquarischen Wert“, sagt der Gastwirt. Manches kommt auch vom Sperrmüll. Vor allem aber: Fast nichts gibt es mehrfach, kaum ein Stuhl gleicht dem anderen: „Da ist alles wild durcheinander geschmissen.“ Falls etwas zu Bruch geht, ist auch das kein Problem: „Ich flicke und repariere noch selbst“, sagt Sokoll. Er lebt sein Hobby in der Bar: das Sammeln von alten Möbeln.

Erlaubt ist, was gefällt

Was das nun für ein Stil ist? Sokoll hat über die Goldbar schon oft gelesen, sie sei die „einzige Berliner Kneipe weit und breit“. Dabei mag er diesen Ausdruck nicht besonders. Sokoll überlegt vor sich hin: „Moderne Eckkneipe? Dafür fehlt die rustikale Theke.“ Asia? Mediterran? Den Stil dürfe jeder für sich selbst definieren. Auch ein Vorteil. Sokolls simples Geschäftsmodell: „Flasche auf, dem Kunden geben, Bequemlichkeit schaffen.“ Sagt’s und packt die Füße auf den Stuhl nebenan. Erlaubt ist, was gefällt.

Die Inneneinrichtung steht stellvertretend für das Publikum, was sich in die Goldbar verläuft, prinzipiell alternativ, aber breit gefächert: „Vom kleinen Punker bis zum Ballett-Direktor“, beschreibt es der Chef. Regel Nummer eins: In der Goldbar geht es um „authentisches Verhalten“, sagt Sokoll. Sehen und gesehen werden ist dagegen Nebensache.

Die Karte weist zwei Charakteristika auf: Es gibt – erstens – in der Goldbar keine Küche. Hungrige und szenekundige Kunden machen aus der Not eine Tugend und besorgen sich im „De Prins“ nebenan eine Portion Pommes und bringen sie in die Goldbar mit. Es gibt – zweitens – eine Auswahl von rund 40 Bieren, die im Zweifelsfall eine feste Grundlage hilfreich erscheinen lassen. Kirsch- und Pfirsichbier aus Belgien, Adel Scott Malt Whiskey aus Frankreich, Mooshead Lager aus Australien, Tyskie aus Polen. An manchen Tagen kommen Besucher, die bringen Kunden aus fernen Ländern aus genau diesem Grund in die Goldbar: Weil’s da das Bier von daheim gibt.

Aus der Not heraus

Sokolls Vita ist nicht ohne Brüche: Den Second-Hand-Laden musste er einst dicht machen, weil er kurz vor der Insolvenz stand: „Ich war fast pleite.“ Die Goldbar an gleicher Stelle zu eröffnen, erweist sich dagegen als Goldgrube. Aus der Not heraus geboren. Deutschlandweit hat sich Sokoll übrigens den Namen schützen lassen. Anfang Mai 2009 kam ein zweites Standbein hinzu: die Disco Goldclub an der Girardetstraße. Der Samstag laufe dort mittlerweile sehr gut, freitags sieht Sokoll dagegen noch reichlich Luft nach oben. Einen kleinen Goldstrand hat er im Goldclub schon. Wovon Sokoll noch träumt: „Eine Goldbar am Strand in irgendeinem anderen Land, gesund bleiben, mal sehen.“ Sich vom Leben überraschen lassen. Auch das geht in der Goldbar.