Ewige „Helden der Kindheit“ für die Generation Walkman

Die Autoren Stephan Phin Spielhoff (mit Schleckmuschel in der Hand), Jule Körber und Jan Drees (v.l.) wecken Kindheitserinnerungen.
Die Autoren Stephan Phin Spielhoff (mit Schleckmuschel in der Hand), Jule Körber und Jan Drees (v.l.) wecken Kindheitserinnerungen.
Foto: WAZ FotoPool
Rund 50 Zuhörer lümmelten sich bei der Lesung zum Buch „Helden der Kindheit“ mit Schleckmuscheln und Zucker-Armbändern in die Sofas der Banditenbar – und wurden in eine Zeit zurückversetzt, in der Saber Rider, das A-Team und Colt Seavers Pflicht waren.

Essen-Rüttenscheid. Die heroische Titelmusik des A-Teams erklingt und plötzlich ist es wieder da: Dieses Gefühl kindlicher Aufregung, diese wertvollen Minuten am Samstagnachmittag neben seinem Vater und mit einer Tüte Chips auf dem Schoß vor dem flimmernden Röhrenfernseher verbringen zu dürfen. Oder, wie es Autor Jan Drees treffend formuliert: „Dieser Samstag war ein Sabbat der Moral.“

„Helden der Kindheit“ heißt das Buch, das 50 deutsche Autoren ihren prägenden Protagonisten der 1980er und 1990er-Jahre gewidmet haben. Für gut zwei Stunden bringen die drei Autoren Kai Splittgerber, die Essenerin Jule Körber und Jan Drees ein Stück längst vergangener Unbekümmertheit zurück in die Bar „Banditen wie wir“. 50 Zuhörer aus der Generation zwischen Walkmen und MP3-Player lümmeln sich mit Schleckmuscheln und Zucker-Armbändern dicht gedrängt in die betagten Sofas.

„Nur die Fäden aus der Augsburger Puppenkiste stören“

Jan Drees beginnt mit einer Ode auf den aus seiner Sicht völlig zu Unrecht in Vergessenheit geratenen „Schlupp vom Stern“ aus der Augsburger Puppenkiste. „Mein siebenjähriger Sohn lacht sich bis heute darüber kaputt. Nur die Fäden stören ihn ein bisschen, das kennen die Kinder bei den ganzen Animationsfilmen heute natürlich nicht mehr“, resümiert der Autor am Ende.

Jule Körber, die bei dieser Zeitung volontierte, sieht in ihren Helden, den „grenzdebilen Bewohnern“ aus der Welt von „Hallo Spencer“, eine „marxistische

Gesellschaft“: In der eben jeder mit seinen Talenten für die Gemeinschaft da sei. Da huscht ein verzücktes Lächeln über so manches Gesicht der Zuhörer, die in einer Lesepause mit „Matschbrötchen“ – jener unschlagbaren Kombination aus Brötchen und Schokoküssen – verwöhnt werden.

Erinnerungen zwischen C64 und Mixtapes

Saber Rider, Colt Seavers, Jim Knopf, Calvin und Hobbs, Kai aus der Kiste: Irgendwie sind an diesem Abend in der Banditenbar alle wieder 20 Jahre jünger. Erinnerungen werden wach an eigens aufgenommene Mix-Tapes, Tage im Freibad mit einem Flutschfinger-Eis in der Hand und grob pixelige Figuren auf dem C64.

„Der Erich-Kästner-Gedanke, das Kindliche in sich nicht aufzugeben, treibt uns an“, sagt Stephan Phin Spielhoff, der die Lesereise aktuell bundesweit für den Verlag „Edition Büchergilde“ organisiert. Essen war erst die dritte Station, viele weitere zwischen München und Berlin sollen folgen. Welcher Gedanke sie alle eint, bringt Spielhoff auf den Punkt: „Ich gebe meine Fantasie nicht auf, nur weil ihr wollt, dass ich eine Steuernummer habe.“

 
 

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