Club bringt Anwohnerbeschwerde über Konkurrent in Umlauf

Jennifer Schumacher
Stand seit mehreren Jahren leer und soll nun durch eine Lounge-Bar mit Club wiederbelebt werden: Das Erdgeschoss an der Huyssenallee 58-64.
Stand seit mehreren Jahren leer und soll nun durch eine Lounge-Bar mit Club wiederbelebt werden: Das Erdgeschoss an der Huyssenallee 58-64.
Foto: Knut Vahlensieck / WAZ Fotopool
Eine neue Lounge an der Huyssenallee sorgt für Zwist in der Essener Szene. So brachte der Geschäftsführer des Rüttenscheider Clubs „Frida“ eine „Anwohnerbeschwerde“ in Umlauf, in der von befürchteten „Party- und Drogen-Exzessen“ die Rede ist. „Es gibt genug Mitbewerber“, begründet er sein Verhalten.

Essen-Rüttenscheid. Dies ist die Geschichte von einem der auszog, die Huyssenallee aus ihrem Dornröschenschlaf zu wecken. Und von einem, der diese mutigen Pläne am liebsten im Keim ersticken würde – weil aus seinem einstigen Partner nun ein Rivale geworden ist.

Alles beginnt mit einer E-Mail, die uns in der Redaktion stutzig machte: Von einem neuen Club auf der einstigen Prachtstraße der Stadt ist die Rede, von befürchteten „Party- und Drogen-Exzessen“, „Gegröle und Geschrei“. Und überhaupt: „Wie kann es die Stadt zulassen, dass gegenüber der Philharmonie, dem Wahrzeichen der Stadt Essen, eine Diskothek eröffnet werden soll?“ wird dort „entsetzt“ die Frage aufgeworfen.

Räume im Bauhaus-Stil

Die Unterzeichner: „Besorgte Bürger der Stadt Essen“, die aus „Angst vor Repressionen“ lieber anonym bleiben wollen. Der Absender, der aus der E-Mail-Adresse ersichtlich wird: Mike Seydock, seines Zeichens Geschäftsführer der Rüttenscheider Diskothek „Frida“. Einer der Betreiber des neuen Clubs an der Huyssenallee, der in Wahrheit eine „Cocktail-Lounge mit künstlerischem Anspruch“ werden soll, ist Mario Bimmermann – wie es der „Zufall“ will, der ehemalige Geschäftspartner von Mike Seydock.

Der neue Laden zieht in die ehemaligen Geschäftsräume von „Belker“ und „Gravis“, die seit Jahren leer stehen. Eine Schande, findet Bimmermann, der seit 15 Jahren das Essener Nachtleben mitbestimmt: „Die Huyssenallee muss sich neu erfinden – vor allem durch die gegenüberliegende Philharmonie und das Aalto-Theater ist das hier mit den traumhaften Räumen im Bauhaus-Stil genau die richtige Adresse.“

Ein künstlerischer Anspruch

Entsprechend vehement widerspricht er der offensichtlich lancierten Beschwerdemail: „Das, was wir planen, ist eine anspruchsvolle Cocktailbar im Erdgeschoss. Am Wochenende werden auch die Kellerräume bespielt, die wir derzeit umbauen. Unser Anspruch ist aber ein künstlerischer, das wird hier kein reiner Club.“ So sei etwa mit dem Zirkus FlicFlac eine Kooperation eingestielt, regelmäßige Artistik- und Varieté-Aufführungen in Planung.

Das Publikum, das man anspreche, sei „mindestens 25 Jahre und älter“. Grundsätzlich gelte es, die gastronomische Lücke zwischen Innenstadt und Rüttenscheid wieder zu füllen. Angesprochen auf sein Verhältnis zu den direkten Nachbarn, muss Bimmermann lachen: „Welche Nachbarn? Die meisten der nebenstehenden Gebäude stehen seit Jahren leer.“ Eine Nachbarin arbeite künftig – die Eröffnung ist für das Frühjahr geplant – sogar für ihn und seinen Geschäftspartner, André Bochonov, der an der Engelbertstraße bereits das „Studio“ betreibt.

Vorwurf - Konzept kopiert

Darüber hinaus sei er rechtlich abgesichert: Brand- und Schallschutzgutachten seien erstellt und im Zuge der gerade laufenden Bauarbeiten würden alle notwendigen Maßnahmen getroffen. In Anbetracht der E-Mail seines ehemaligen Geschäftspartners zieht Bimmermann nun sogar eine einstweilige Verfügung in Betracht.

Mike Seydock gibt sich verwundert. Er habe die E-Mail „im Auftrag“ einiger Nachbarn geschickt. Ob er es nicht bedenklich finde, die Öffentlichkeit auszunutzen, um einen offenbar in Ungnade gefallen, ehemaligen Partner derart zu diskreditieren, fragen wir. „Ich verstehe Ihre Bedenken“, antwortet Seydock. Aber ihn störe einfach die Lage und zudem werde das „Frida“-Konzept kopiert, wirft er Bimmermann vor. „Außerdem“, fügt er an, „gibt es bereits genug Mitbewerber in der Stadt.“