Ausstellung im Südviertel zeigt große Konzertmomente

Lichtdesigner und Fotograf Christian Glatthor vor dem Bild von Tom Araya, Bassist und Sänger der Metal-Band „Slayer“. Bis zum 30. November läuft die Ausstellung „Konzert-Landschaft“ im „Statt-Maler“.
Lichtdesigner und Fotograf Christian Glatthor vor dem Bild von Tom Araya, Bassist und Sänger der Metal-Band „Slayer“. Bis zum 30. November läuft die Ausstellung „Konzert-Landschaft“ im „Statt-Maler“.
Foto: Kerstin Kokoska
Lichtdesigner und Fotograf Christian Glatthor kommt Künstlern wie Bosse, Silbermond und Gentleman besonders nah. Dabei ist Zurückhaltung wichtig.

Essen-Südviertel..  Christian Glatthor ist ein Profi, wenn es um Licht und Schatten geht und darum, den richtigen Moment perfekt auszuleuchten. Der Lichtdesigner inszeniert die Shows von Musik-Größen wie Bosse, Gentleman und Silbermond, komponiert opulente Lichteffekte ebenso wie zurückhaltende Schummerbeleuchtung. Seit fünf Jahren hat der 38-Jährige auch die Konzertfotografie für sich entdeckt – und kommt den Künstlern dabei so nahe wie nur wenige.

„Ursprünglich hatte ich mir 2009 eine professionelle Kamera gekauft, um meine eigene Arbeit zu dokumentieren. Mit der Zeit haben dann einige Bands und Musiker, für die ich arbeite, angefragt, ob ich sie nicht auch fotografieren möchte“, erinnert sich Christian Glatthor, der seit einem Jahr im Südviertel lebt.

Ausstellung im „Statt-Maler“ läuft bis Ende November

Dort fand er mit dem Kunstraum „Statt-Maler“ nun auch einen Ort, an dem er eine Auswahl seiner Bilder zeigen kann: Großformatig und im Schein ausgeleuchteter Chipsdosen sind dort noch bis Ende November viele Konzertmomente zu bestaunen, deren Entstehungsgeschichte Christian Glatthor detailliert zu erzählen weiß: „Jedes Bild erzählt eine Geschichte. Darum geht es am Ende – nicht den Musiker zu por­trätieren, sondern den besonderen Moment festzuhalten“, sagt der Fotograf, der sich selbst enge Grenzen steckt: „Wenn ich fotografiere, versuche ich, wie ein Schatten zu sein, übertrete etwa nie die Linie des Schlagzeugers, wenn ich auf der Bühne fotografiere.“

So hielt er beim Festival „Rock im Park“ einen sichtlich genervten Tom Araya, Bassist und Sänger der Metal-Legenden von „Slayer“, nur einmal im Bild fest: „Ich habe gesehen, dass er keine Lust hatte, fotografiert zu werden und lasse es dann auch. Niemand soll sich durch mich gestört fühlen“, sagt Glatthor, der durch diese Einstellung großes Vertrauen bei den Künstlern genießt.

Mit Gentleman durch Südamerika

So begleitete er Gentleman auf dessen Tour durch Südamerika selbst an entlegene Orte wie Französisch-Guyana und Suriname und ging mit der Band „Klee“ auf Tour durch China. So entstanden auch viele Fotos abseits der Bühne, die ganz persönliche Eindrücke widerspiegeln. „Dabei gibt es viele Momente, die ich bewusst nur im Kopf abspeichere. Am Rand der Tour durch China etwa tanzten da auf einmal mindestens 100 Leute Walzer, nur ein alter Ghettoblaster beschallte den Platz. Da habe ich mich auf ein paar Stufen gesetzt und diesen Moment einfach genossen, hätte das niemals durch eine Kamera kaputt machen wollen“, erinnert sich Christian Glatthor.

Er sieht Gefahren in der visuellen Reizüberflutung – etwa, wenn während Konzerten die Fans hinter hunderten leuchtenden Smartphones kaum noch auszumachen sind: „Likes und Klicks geben einem keine Energie. Ein Konzert und das ganze Drumherum bewusst auf sich wirken zu lassen, allerdings schon.“ Nicht zuletzt deswegen nutze er oft die Schwarz-Weiß-Fotografie als Stilmittel: „Um sich auf das Wesentliche zu konzentrieren: jenen besonderen Konzertmoment, den es vielleicht nur eine Sekunde lang gibt.“

Die Bilder von Christian Glatthor sind noch bis Ende November im Statt-Maler, Johannastraße 24a, zu sehen. Am 18. November ist von 18 bis 22 Uhr „Open Door“. Informationen gibt’s auch hier.

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