Wohnen und arbeiten in alter Essener Staatsanwaltschaft

So soll das Gebäude-Ensemble, links der unter Denkmalschutz stehende Bau von 1913, rechts der aktuell entkernte Bau von 1953, nach seiner Sanierung im kommenden Jahr aussehen. Im Denkmal soll unten ein Café entstehen. Grafik: Sevinc
So soll das Gebäude-Ensemble, links der unter Denkmalschutz stehende Bau von 1913, rechts der aktuell entkernte Bau von 1953, nach seiner Sanierung im kommenden Jahr aussehen. Im Denkmal soll unten ein Café entstehen. Grafik: Sevinc
Die Sanierung der ehemaligen Staatsanwaltschaft an der Zweigertstraße hat begonnen. Dort entstehen bis Ende kommenden Jahres neben 35 Luxus-Eigentumswohnungen auch Büros und eine Gastronomie.

Essen-Rüttenscheid.. Vom 1953 errichteten Bau der ehemaligen Staatsanwaltschaft steht nur noch das Gerippe. Alte, türkisfarbene Fliesenspiegel erinnern rudimentär an ehemalige Amtsküchen mit dem Charme der 1970er Jahre. Darüber hinaus prägt alter, grauer Waschbeton das Bild. Das ehemalige, fünfstöckige Treppenhaus wird in den nächsten Tagen dem Erdboden gleich gemacht.

3000 Euro pro Quadratmeter

Danach geht es in den beiden Gebäuden, also auch dem benachbarten, unter Denkmalschutz stehenden Altbau von 1913, ans Eingemachte: Der Düsseldorfer Architekt und Projektentwickler Albert Sevinc will den bereits entkernten Komplex bis Ende 2014 zu 30 modernen Eigentumswohnungen mit Größen zwischen 75 und 220 Quadratmetern umbauen. Im historischen Gebäude, das einst von Architekt Edmund Körner errichtet wurde, sollen neben weiteren Eigentumswohnungen drei bis vier großzügige Büroeinheiten und eine Gastronomie entstehen.

Seit 2007 steht das Ensemble leer. „Wir wollen bei beiden Gebäuden den alten Backstein-Charakter beibehalten“, sagt Sevinc, der sich darauf spezialisiert hat, Leerstände von Bund und Land aufzukaufen und in ihrer historischen Substanz zu erhalten. Deswegen sei auch für den nicht denkmalgeschützten Teil der ehemaligen Staatsanwaltschaft ein kompletter Abbruch nicht in Frage gekommen. Acht bis zehn Millionen Euro, schätzt Sevinc, wird er für die Sanierung der insgesamt 5500 Quadratmeter großen Fläche in die Hand nehmen.

3000 Euro pro Quadratmeter

Geld, mit dem auch viele Schätze in dem Eckbau an der Zweigert-/Kortumstraße erhalten werden sollen. Das geschwungene Holz-Treppenhaus zum Beispiel, Stuck-Elemente an den Decken, ein schon 1914 eingebauter Aufzug und sogenannte Chicago-Fenster, die in einigen Etagen des ehemaligen Wohnhauses der jüdischen Familie Heinemann noch im Originalzustand vorhanden sind. „Details sollen mit Augenmaß erhalten bleiben“, so Sevinc, der damit auch an die tragische Geschichte des Anwalts Salomon Heinemann erinnern möchte. Wer in dem historischen Ensemble wohnen möchte, muss folglich etwas tiefer in die Tasche greifen. Sevinc rechnet mit Preisen um die 3000 Euro pro Quadratmeter.

Darin enthalten sind wohl auch Stellplätze: In den kommenden Wochen wird vis-à-vis zum Nachbarn, der Essener Verkehrs AG, eine Tiefgarage im Hinterhof ausgehoben. Der Innenhof darüber soll begrünt werden, „das wird hier eine richtige Oase“, verspricht Sevinc, der mit dem Bauprojekt einem Trend folgt. Nach „Living One“ an der Messe und dem Neubau am Rüttenscheider Markt reiht er sich in die Gruppe derer ein, die in Rüttenscheid in gehobenen Wohnraum investieren.

Tragische Geschichte

Zwei bronzefarbene Stolpersteine auf dem Bürgersteig vor der alten Staatsanwaltschaft erinnern bis heute an die tragische Geschichte seiner ersten Bewohner: Rechtsanwalt und Notar Salomon Heinemann und dessen Ehefrau Anna, eine Autorin und Dichterin. Das jüdische Paar entschied sich am 16. November 1938 als Folge der Pogromnacht für den Freitod. In der Nacht zum 10. November hatten SA-Männer das Haus gestürmt und es in Brand gesteckt. Binnen kürzester Zeit ging die Kunstsammlung des großen Folkwang-Förderers Heinemann damals in Flammen auf.

Erst seit Ende 2012 steht das nun genau 100 Jahre alte Haus, das vom renommierten Architekten Edmund Körner entworfen wurde, unter Denkmalschutz. Von 1976 bis zum Umzug 2007 hatte die Essener Staatsanwaltschaft dort ermittelt. Das Landschaftsamt Rheinland hatte im vergangenen Jahr den Vorschlag gemacht, den Bau in die Denkmal-Liste aufzunehmen, da es auch „architekturgeschichtlich“ bedeutend sei.

„Schon aus Respekt vor Herrn Heinemann möchte ich so viel wie möglich erhalten. Durch den Denkmalschutz haben wir ohnehin nicht die Möglichkeit, viel zu verändern. Das ist aber auch gut so“, sagt Albert Sevinc. In vielen Bereichen ist etwa der Parkettfußboden noch im Original erhalten, ebenso wie eine schwere Marmor-Treppe im Eingangsbereich.

 
 

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