Via Satellit durchs alte Rüttenscheid

Jennifer Schumacher
Christian Spellerberg steht am Dienstag, 08.11.2011 mit einem GPS Gerät neben dem Brunnen auf dem Rüttenscheider Markt. Im Dezember will er eine Geocaching Tour durch den Stadtteil anbieten. Foto: Ulrich von Born/ WAZ FotoPool
Christian Spellerberg steht am Dienstag, 08.11.2011 mit einem GPS Gerät neben dem Brunnen auf dem Rüttenscheider Markt. Im Dezember will er eine Geocaching Tour durch den Stadtteil anbieten. Foto: Ulrich von Born/ WAZ FotoPool
Foto: WAZ FotoPool
Mit Hilfe moderner Technik zurück in historische Zeiten: Erlebnispädagoge Christian Spellerberg bietet ab 10. Dezember GPS-Touren durch Rüttenscheid an, die das Gruppengefühl stärken sollen - und ganz nebenbei historisches Wissen vermitteln.

Essen-Rüttenscheid. Im Jahr 970 hieß die damals noch dünn besiedelte Bauernschaft Rudenscethe. Hätte man den Ur-Rüttenscheidern damals gesagt, dass sich in mehr als 1000 Jahren Menschen mit Hilfe aus dem All auf ihre Spuren begeben, sie hätten sich wohl verwundert die Augen gerieben.

GPS heißt das Zauberwort, mit dem Erlebnispädagoge Christian Spellerberg ab dem 10. Dezember neue Blicke auf den Stadtteil ermöglichen will. Mit Hilfe der Interessengemeinschaft Rüttenscheid hat der 32-Jährige eine rund dreistündige Stadtteiltour ausgearbeitet, die wie eine moderne Schnitzeljagd anmutet. Spellerberg wuchs selbst in Rüttenscheid auf, „da lag es nahe, diese Idee hier auszuprobieren“. Grundsätzlich wolle er ähnliche Touren im gesamten Ruhrgebiet veranstalten. Zwar ist das klassische Geo-Caching, die moderne Schatzsuche, die seit Jahren auf dem Vormarsch ist, die Grundlage.

Wichtiger sind dem Erlebnispädagogen jedoch die Aufgaben: „Das Reizvolle ist, sich die Informationen in einer Gruppe selbst zu erarbeiten. Bei einer klassischen Stadtführung hört man nur zu. Bei den GPS-Ralleys ist etwas Geschick und gutes Teamwork gefragt“, sagt Spellerberg, der sich im Frühjahr mit seiner Erlebnispädagogik-Plattform „Abenteuer Ruhr“ selbstständig machte. Schulklassen und Betriebe können dort in verschiedenen Parcours-Übungen ihren Teamgeist stärken. Den Freizeit-Profi zog es dabei schon immer in die Natur - in Recklinghausen leitete Spellerberg drei Jahre den Hochseilgarten, legte bei seinem Pädagogik-Studium den Schwerpunkt auf Sport und Freizeit. Das ist auch der Rüttenscheid-Tour anzumerken.

Zum Start jeder Tour werden die Gruppen mit einem Log-Buch und einem GPS-Empfänger ausgestattet. Via Satellit kann das Gerät bis auf zehn Meter genau den Standort ermitteln und über die eingegeben Koordinaten zum neuen Ziel führen. Schließlich geht es auf Punktejagd. Da muss beispielsweise ein rohes Ei in ein typisches Souvenir aus Rüttenscheid eingetauscht werden. Oder eine improvisierte Postkutsche bestiegen werden, wie sie damals en masse auf der Kettwiger Chaussee, der heutigen Rü, unterwegs waren. Hinter der Brunnen-Frau am Markt wartet ein Zahlrätsel, um die Teilnehmer an ihr nächstes Ziel zu bringen. Gespickt ist das Log-Buch außerdem mit historischen Fotos. Wer die alten Plätze wiedererkennt und fotografiert, erhält Zusatzpunkte. „Durch die IGR habe ich viele historische Bilder und vor allem Infomaterial erhalten. Da ist man oft überrascht, auch, wenn man hier aufgewachsen ist“, verspricht Spellerberg. Zu viel verraten will er freilich nicht.

Nur so viel: Zur Premiere startet die Tour als Weihnachtsspezial. „Die Tour ist vor allem für Familien geeignet. Die werden von uns mit Glühwein, Kakao und Plätzchen versorgt“, sagt Spelberg. Für eingefleischte Fans des Nachtlebens hat er sich außerdem eine Kneipen-Variante überlegt. Alm, Ampütte, Eule und Brenner sind mit im Boot - und werden entsprechend eingebunden. Schließlich seien die Lokale für sich schon wahre Schatzgruben, meint Spellerberg.

In Kooperation mit dem Klartextverlag und der Stadt plant er schon sein nächstes Projekt: In Form eines Schülerwettbewerbs soll im kommenden Jahr eine GPS-Tourensammlung für das gesamte Stadtgebiet herausgegeben werden. Dass Bildung Spaß machen kann, hat Spellerberg schließlich gelernt.